Nach Gen- und Stammzelltherapie sowie der Homocystein-senkenden Vitamin-B-Therapie geht es zum Abschluss unserer kleinen Serie über einen ganz neue Ansatz zur  Prävention und Behandlung der Altersabhängigen Makuladegeneration.

AMD & Meer: Das Wachstumshormon VEGF

Zu den Faktoren, die für den Krankheitsfortschritt der feuchten, d. h. mit dem Wuchern undichter Blutgefäße verbundenen AMD besonders relevant sind, zählt ein körpereigenes Wachstumshormon, der sog. Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF). Vereinfacht lässt sich das  mit „Gefäßwand-Wachstumsfaktor“ übersetzen. Es handelt sich um eine Gruppe von Funktionseiweißen, die eine wichtige Rolle bei der Neubildung und Regulation von Blut- und Lymphgefäßen spielen und im ganzen Körper für stabile Verhältnisse der Gefäßsysteme sorgen. Im Fachchinesisch heißt das „vaskuläre Homöostase“ (Gefäßgleichgewicht).

Algen am Meer - Algen als VGEF-Hemmer bei Altersbedingter Makuladegeneration

AMD & Meer: VEGF im Auge

Im intakten Auge ist VEGF für ein gesundes und ausgewogenes Wachstum der Netzhautblutgefäße wichtig. So konnte die augenmedizinische Forschung eine starke Korrelation zwischen einem krankhaft hyperaktiven VEGF und der feuchten Form der Altersbedingten Makuladegeneration nachweisen. Offenbar begünstigt (oder verursacht) ein zu aktiver VEGF ein unkontrolliertes Wachstum löchriger Blutgefäße in der Netzhaut, und zwar insbesondere in der Makula, dem Bereich mit der höchsten Dichte an Lichtsinneszellen. Auf Basis dieser Erkenntnis ist die aktuell stimmigste Behandlungsmethode der feuchten AMD eine medikamentöse Therapie mit sogenannten VEGF-Hemmern. Ziel ist es dabei, die Produktionsrate des VEGF und damit das ausufernde Wachstum defekter Blutgefäße zu drosseln.

AMD & Meer: VEGF-Hemmer aus marinen Quellen

Wurden VEGF-Inhibitoren bislang von Biochemikern im Labor synthetisiert, widmet sich jetzt ein neuer Forschungsansatz der Erschließung von VEGF-Hemmern aus natürlichen Quellen – genauer gesagt aus marinen Braunalgen. Algen zählen zu den ältesten Lebewesen auf unserem Planeten überhaupt. Etwa 3,5 Milliarden Jahre – mehr als tausendmal so lang wie der Mensch – hatten Algen  Zeit, sich selbst an extreme Umweltbedingungen anzupassen und dabei mit der Entwicklung der Photosynthese die Grundlage für die heutige Vielfalt pflanzlicher und tierischer Lebensformen zu liefern. In ihrer langen Evolution haben sich Algen in unzähligen Ausgestaltungsformen zu wahren „Mikronähr- und Wirkstoffbomben“ entwickelt.

AMD & Meer: Fucoidane zum Schutz der Augen

Braunalgen wie der auch in Nord- und Ostsee beheimatete Zuckertang (Seepalme) sind in den Fokus der augenmedizinischen Forschung gerutscht. In ihren Zellwänden enthalten diese Algen sog. Fucoidane, das sind langkettige, biologisch hoch wirksame Zuckermoleküle (Polysaccharide). Seit 2016 werden diese in einem deutsch-dänischen Forschungsprojekt intensiv auf ihre therapeutische Eignung im Bereich der Augenmedizin untersucht. Die spannende Entdeckung: einige der vielgestaltigen Fucoidane entfalten eine VEGF-hemmende Wirkung. Darüber hinaus zeigen sie eine zweite günstige Eigenschaft – sie wirken antioxidativ, d. h. sie neutralisieren hoch aggressive  freie Radikale, die im Auge durch Einwirkung der solaren UV-Strahlen gebildet werden. Dieser sogenannte UV-induzierte „oxidative Stress“ gilt als einer der Hauptrisikofaktoren für die AMD.

AMD & Meer:  Braunalgen-Fucoidane gegen VEGF und oxidativen Stress

In Laborversuchen konnten die Wissenschaftler zeigen, dass Netzhautzellen, denen Fucoidane aus Braunalgen zugeführt werden, deutlich besser gegen Degeneration durch oxidativem Stress und gegen überaktiven VEGF geschützt sind. Fernziel der Forscher ist es, diese natürlichen Braunalgen-Fucoidane für die Entwicklung von Medikamenten einzusetzen, die bereits in frühesten, von den Patienten noch unbemerkten Stadien der Altersbedingten Makuladegeneration den Krankheitsausbruch verzögern oder sogar verhindern können. Menschen, die den Empfehlungen zu regelmäßigen augenärztlichen Vorsorgeuntersuchen ab dem 40. Lebensjahr nachkommen, könnte der Augenarzt dann bereits bei ersten Anzeichen einer beginnenden AMD einer Fucoidan-Therapie zuführen.

AMD & Meer:  Noch viel Forschungsarbeit

Es gibt ca. 1.800 Braunalgenarten, deren Fucoidane deutliche Unterschiede in der molekularen Struktur und biologischen Wirksamkeit aufweisen. Dabei spielen geografische Herkunft, mariner Salzgehalt, Tidenhub, Wellengang, Sonneneinstrahlung und auch der Erntezeitpunktteils eine große Rolle. Um Medikamente in reproduzierbarer pharmazeutischer Qualität zur Behandlung der AMD herzustellen, ist noch viel Forschungsarbeit erforderlich. Bis dahin gilt es, die verfügbaren synthetischen VEGF einzusetzen und eigenverantwortliche Prävention zu betreiben. Und in diesem Punkt spielt das Meer auch eine große Rolle.

AMD & Meer:  Mediterrane Kulinarik

Die Bedeutung von Lebensstilfaktoren für die Augengesundheit und die AMD im Besonderen kann nicht oft genug betont werden. Die Daten für die Netzhaut-schädigende Wirkung des Rauchens sind erdrückend und der protektive Wert von Ausdauersport ist evident. Durch die kürzlich publizierten Ergebnisse einer Langzeitstudie gibt es nun auch valide Belege für die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung. Dazu hat ein internationales Forschungsprojekt (EYE-RISK Consortium) über einen Zeitraum von 21 Jahren die Zusammenhänge zwischen der Ernährungsweise und der Inzidenz (Neuauftreten) von AMD-Spätformen untersucht. Die Ergebnisse machen deutlich: Eine mediterrane Ernährung („Mittelmeerkost“), d. h. eine Ernährungsweise auf Basis pflanzlicher Kost mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Nüssen, aber ohne auf die tierischen Nährstoffe aus Seefisch (Omega-3-Fettsäuren!), Milchprodukten, Eiern und bei Belieben ein oder zwei kleinen Fleischportionen pro Woche zu verzichten, senkt die Wahrscheinlichkeit, eine Spätform der AMD zu entwickeln um 41 Prozent!

AMD & Meer: Gefahr erkannt….

…Gefahr gebannt? Leider nicht – die Diagnose einer AMD ist für jeden Betroffenen belastend, aber kein Grund zur Resignation. Die Spätform der Altersabhängige Makuladegeneration (AMD), der Verlust von Lichtsinnenzellen im Netzhautbereich der höchsten Sehschärfe (Makula), ist in der Generation der über 55-Jährigen die häufigste Ursache für starke Sehbehinderungen und Erblindungen. Die heute schon für die aggressive feuchte Form der AMD verfügbaren Therapiemöglichkeiten – besonders mit VGE – haben sich bewährt, die Krankheitsprogression zu entschleunigen. Die aktuelle Forschung stimmt optimistisch, dass in absehbarer Zeit gen- und stammzelltherapeutische Methoden verfügbar sowie die VEGF-fokussierte Prävention verbessert sein werden. Einig sind sich die Experten, dass Früherkennung – möglichst in einem noch asymptomatischen Stadium – für die Prognose jeder Therapieoption von großer Bedeutung ist. Bereits abgestorbenen Lichtsinneszellen sind halt nicht zu retten.

Eigenverantwortung: Lebensstil und Vorsorge

Neben dem Lebensalter gibt es mit dem oxidativen Stress und einem überaktivem VEGF verschiedene mit der AMD assoziierte Parameter. Vordergründig scheinen sich diese Faktoren unserem Einfluss zu entziehen. Älter wird jeder und auch oxidativer Stress ist eine natürliche Stoffwechselsituation. Unstreitig werden aber die Geschwindigkeit des biologischen Alterns und auch die Intensität des oxidativen Stresses durch den individuellen Lebensstil beeinflusst. Im Hinblick auf die AMD-Entwicklung ist der Einfluss der individuellen Lebensweise erst in den letzten Jahren in seiner ganzen Tragweite beleuchtet worden. Dabei geht es besonders um:

  • Rauchen (Gefäß- und Sehnervenschäden)
  • Unzureichender UV-Schutz/keine Sonnenbrille bei hoher Sonnenintensität (Horn- und Netzhautschäden)
  • Körperliche Inaktivität (Durchblutungsstörungen)
  • Ernährungsfehler (ungünstige Fette, Omega-3-Fettsäuremangel, zu viel Einfachzucker, Vitaminmangel)

Zwar bietet ein gesunder Lebensstil keinen sicheren Schutz vor der AMD, kann aber den Beginn und besonders die Geschwindigkeit der Progression deutlich verzögern und ist damit das wirksamste eigenverantwortliche Prophylaxetool. Und bitte gehen Sie nicht nur regelmäßig zur zahnärztlichen Kontrolle. Ihre Augen verdienen die gleiche Für- und Vorsorge. Früherkennung von Augenkrankheiten verbessert die therapeutischen Optionen – ganz ohne Bohren!

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