Welche Faktoren bestimmen das individuelle AMD-Risiko? Gibt es Möglichkeiten der Einflussnahme? Das in seinem Ausmaß bislang einzigartige EU-Forschungsprojekt „Eye-Risk“ zu Ursachen und Möglichkeiten der Einflussnahme bei der Entwicklung einer Altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) hat erste, zuversichtlich stimmende Ergebnisse geliefert, die jetzt unter Federführung der Selbsthilfeorganisation „Pro-Retina“ in Berlin präsentiert wurden. Besonders die Möglichkeiten, den Krankheitsfortschritt durch einen gesunden Lebensstil aufzuschalten, wurden bislang wohl unterschätzt.

AMD-Risiko: Häufigste Erblindungsursache

Die AMD, der Verlust von Lichtsinneszellen im zentralen Netzhautbereich (Makula Lutea), führt in ihrem progressiven Verlauf allmählich zu einem partiellen oder gar völligen Sehschärfeverlust in dieser Region des schärfsten Sehens. Zusammen mit dem Grauem Star (Katarakt) und dem Grünen Star (Glaukom) bildet die AMD das Trio der häufigsten Augenkrankheiten des fortgeschrittenen Alters. In den westlichen Industrienationen ist die AMD die häufigste Erblindungsursache bei über 60-Jährigen. Die Betroffenenzahlen sind aufgrund einer langsamen, mit sehr unterschiedlicher Geschwindigkeit voranschreitenden Krankheitsentwicklung mit oft langjähriger asymptotischer Frühphase nicht genau bekannt. Gegenwärtig wird von etwa sechs Millionen AMD Betroffenen in Deutschland (frühe und späte Stadien) ausgegangen. Durch den demografischen Wandel mit steigender Lebenserwartung nimmt vor allem die Zahl schwerer Verläufe stetig zu.

AMD Alterabhängige Makuladegeneration - Das Auge im Fokus

AMD –Risiko:  Nicht heilbar

Nur die seltenere (ca. 20 Prozent), aber deutlich aggressivere, mit gravierenden Sehkraftverlusten einhergehende feuchte AMD, bei der es durch Neubildung poröser Blutgefäße zu Netzhauteinblutungen kommt, ist in Grenzen symptomatisch durch intraokulare Medikation behandelbar. Eine Heilung im Sinne einer ursächlichen Therapie gibt es aber ebenso wenig wie für die mit ca. 80 Prozent deutlich häufigere, in ihrem Verlauf langsameren und oft erst in späten Stadien zu deutlichen Sehkrafteinschränkungen führenden trockenen AMD.  Solange keine wirksamen Therapien verfügbar sind, richten sich die Bemühungen besonders auf die Vermeidung einer Konversion der trockenen in die feuchte Form. Diesen Ansatz verfolgt auch das europäische Forschungsprojekt „Eye-Risk“, einem Verbund von 14 Forschungsinstitutionen aus acht Ländern. Wissenschaftler verschiedenster Fachrichtungen (Epidemiologen, Ophthalmologen, Molekular-/Zellbiologen, Genetiker, Informatiker, Pharmakologen u. a.) arbeiten hier an der Aufdeckung der Erkrankungsmechanismen sowie an der Entwicklung wirksamer Früherkennungs- und Therapiemethoden.

AMD-Risiko: 2x Schicksal – 1x Eigeninitiative

Daten von 60.000 an frühen und späten Formen der trockenen oder feuchten AMD erkrankten Patienten werden im Rahmen des Eye-Risk-Projekts systematisch analysiert. Die erste gesicherte Erkenntnis: Die Wahrscheinlichkeit, an einer AMD zu erkranken, wird maßgebend durch drei Risikofaktoren bestimmt:

  • Alter (>60)
  • Genetik (familiäre Vorbelastung, 35 für AMD relevante Gene identifiziert))
  • individueller Lebensstil

Die ersten beiden Faktoren entziehen sich unseres Einflusses. Älter werden wir in jeder Sekunde und die Gene werden uns in die Wiege gelegt – nicht aber was wir aus ihnen machen. Wie unsere Gene reguliert werden, wird maßgeblich durch unsere individuelle Lebensweise bestimmt.  Der junge Forschungszweig der Epigenetik (Genregulation) hat in der vergangenen Dekade verschiedene biochemische Mechanismen aufgedeckt, wie die Aktivität unserer Gene verändert wird.  Die gleichermaßen bahnbrechende wie Mut machende Erkenntnis: Wir sind keine „Sklaven“ unserer Gene, sondern können durch eigenes Zutun beeinflussen, ob „gute“ Gene (z. B. für Abwehr- und Reparaturmechanismen) aktiv und krankmachende blockiert werden oder eben umgekehrt. Auf Details zu diesen Genregulationsmechanismen auf molekularer Eben einzugehen, würde den hiesigen Rahmen sprengen. Das zuversichtlich stimmende Zwischenergebnis der Eye-Risk-Forschung aber lautet:

„Rechtzeitige Lebensstiländerung kann Menschen mit hohem genetischem Risiko, an altersabhängiger Makuladegeneration (AMD) zu erkranken, bis ins fortgeschrittene Alter vor dem Verlust des Sehvermögens schützen.“

AMD-Risiko: Unerwartet hohe Bedeutung des Lebensstils

Aus den genetischen Analysen, den Alters- und Lebensstildaten haben die Eye-Risk-Wissenschaftler Algorithmen entwickelt, mit denen sich das persönliche AMD-Risikoprofil ermitteln lässt. Die wirklich herausragende und Mut machende Erkenntnis aber betrifft die unerwartet große Bedeutung des individuellen Lebensstils auf den Verlauf einer AMD-Erkrankung. Zwar bietet auch die gesündeste Lebensweise keinen sicheren Schutz vor einer AMD-Entwicklung. Doch es hat sich mit hoher Signifikanz gezeigt, dass selbst bei starker genetischer AMD-Prädisposition durch möglichst frühzeitige adäquate Lebensstiländerungen der Krankheitsausbruch verhindert oder aber das Tempo der Krankheitsprogression maßgeblich verringert werden kann. Dabei geht es insbesondere um Vermeidung/Aufschub einer Konversion der milderen trockenen in die aggressive feuchte AMD-Variante.

AMD-Risiko: Welche Lebensstilfaktoren sind maßgebend?

Es sind drei gute Bekannte, welche die Eye-Risk-Forscher auf Basis ihrer umfänglichen Datenanalysen als hoch wirksame Schutzparameter gegen den Ausbruch bzw. schwere AMD-Verläufe identifiziert haben – sogar bei starker genetischer Vorbelastung:

  1. Strikter Rauchverzicht: Bei familiärer Vorbelastung (AMD-Betroffenen in direkter Verwandtschaftsbeziehung) ist die „Null-Lösung beim Rauchen“ die potenteste Gegenmaßnahme zur Vermeidung schwerer AMD-Verläufe. Von den tausenden bei der Tabakverbrennung freigesetzten Schadstoffen hat sich besonders das Zellgift Nikotin als maßgebender AMD-Trigger erwiesen. Die Wissenschaftler betonen, dass Rauchen das Risiko für die Konversion in die dramatische feuchte AMD potenziert!
  2. Mediterrane Ernährung: Keine hochverarbeiteten, mit Zusatzstoffen überlasteten Lebensmittel. Stattdessen eine pflanzlich dominierte Kost, die um tierische Eiweißträger (Fisch, Milchprodukte, wenig Fleisch) ergänzt wird. Ein besonders AMD-relevanter Wert kommt dabei dem Verzehr von Olivenöl (einfach ungesättigte Ölsäure) sowie den von fettem Seefisch und ausgewählten Pflanzenölen gelieferten Omega-3-Fettsäuren (Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure, z. B. in Hering, Thunfisch, Lachs, Makrele sowie Alpha-Linolensäure, z. B. in Lein-, Walnuss- oder Rapsöl) zu.
  3. Tägliche Bewegung: Optimal ist die moderate, mindestens dreimal wöchentliche sportliche Betätigung, die besonders die Ausdauerleistung verbessert. Ob Walken, Radfahren, Schwimmen, oder Joggen ist nicht entscheidend. Auch der Einbau kleiner Bewegungselemente in den Alltag (Treppe statt Rolltreppe, Fahrrad statt Auto, kurze Strecken zu Fuß) ist nachweißlich von großem Nutzen

AMD-Risiko: Kann Augenchirurgie helfen?

Als AMD-Therapie stehen derzeit keine operativen Behandlungsmethoden zur Verfügung. Die refraktive (Brechkraft verändernde) Augenchirurgie kommt aber dann ins Spiel, wenn Patienten neben einer AMD auch einen alterstypischen Grauen Star (Katarakt) entwickeln. Die Kataraktoperation, also der Austausch der getrübten Augenlinse gegen eine künstliche Intraokularlinse (IOL), ist auch für AMD-Betroffene eine Option, die aber eine sehr sorgfältige Anamnese und individuelle Patientenauswahl voraussetzt. In diesem Rahmen besteht auch die Möglichkeit durch Implantation einer zweiten, vor die Basis-IOL platzierten Add-On-Linse dem AMD-bedingten Sehkraftverlust entgegenzuwirken.

Augenärztliche Expertise!
Um sich über linsenchirurgische Eingriffe bei bestehender AMD zu informieren, wenden Sie sich bitte nur an Augenchirurgen, die wie Dr. med. Febrer Bowen, Arzt der Augenärzte am Platz der Luftbrücke, über die entsprechende Expertise und langjährige Erfahrung in diesem Bereich verfügen.

AMD-Risiko: Gentherapie noch nicht absehbar

Die kürzlich erstmals gelungene Gentherapie einer Netzhautdystrophie hat bei vielen AMD-Betroffenen die Hoffnung auf eine baldige analoge Therapieoption geweckt. Diese Hoffnungen sollen keinesfalls erstickt und als utopisch abgetan werden. Aber was den Zeitrahmen anbelangt, gilt es den aktuellen Forschungsstand objektiv zu bewerten. Zum heutigen Zeitpunkt sind gentherapeutische Eingriffe einzig bei klaren „monogenen“ Kausalitäten erfolgversprechend. „Monogen“ bedeutet, eine (Augen)Erkrankung lässt sich auf die Veränderung (Mutation) EINES genau identifizierten Gens zurückführen: 1 Gen (Ursache) – 1 Wirkung (Erkrankung). Leider trifft eine so eindeutige Kausalität auf die Altersabhängige Makuladegeneration nicht zu. Bereits 35 Gene, die mit der AMD in Zusammenhang stehen, wurden bis dato identifiziert und ihr noch nicht in Gänze geklärtes Zusammenwirken mit Lebensstil- und Umweltfaktoren sollte uns davor bewahren, uns in Hoffnungen auf schnell verfügbare Gentherapien zu verlieren. Vermutlich (das ist die subjektive Sicht des forschungserfahrenen Autors) wird es eher eine Frage von Jahrzehnten als von Jahren sein bis eine gentherapeutische AMD-Heilung im Bereich des Möglichen liegt.

AMD-Risiko: Optimismus bei medikamentösen Therapien

Zuversichtlich zeigen sich die Eye-Risk-Wissenschaftler, dass es vergleichsweise zeitnah erhebliche Fortschritte in der pharmakologischen AMD-Therapie geben wird. Man hofft die Zahl der AMD-bedingten Erblindungen bis 2030 um 50 Prozent reduzieren zu können und zudem innerhalb der nächsten fünfzehn Jahre eine Behandlung für die trockene Altersabhängige Makuladegeneration zu entwickeln. Umso wichtiger ist es, heute die Möglichkeiten günstiger Lebensstiländerungen zu nutzen, um schwere AMD-Verläufe zu verhindern.

AMD-Risiko: Ab 50 zur Augenkontrolle

Große Bedeutung kommt der Früherkennung möglichst noch asymptotischer Stadien der AMD zu. Daher wird insbesondere allen Menschen mit AMD-Erkrankungen im familiären (genetischen) Umfeld empfohlen, sich ab dem 50. Lebensjahr einmal jährlich auf Ablagerungen im Augenhintergrund (sog. Drusen als AMD) untersuchen zu lassen. Je früher dann sinnvolle Lebensstiländerungen angegangen werden, umso besser die Prognose für den weiteren Verlauf.

AMD-Risiko: Fazit

Selbst wer einer Familie mit gehäuften AMD-Erkrankungsfällen entstammt, d. h. mit einer genetischen Prädisposition und damit einem hohen Risiko für die Entwicklung der Altersabhängigen Makuladegeneration belastet ist, kann mit der Entscheidung für ein rauchfreies, körperlich aktives und mit mediterraner Ernährung „unterfüttertes“ Leben effizient dem Ausbruch und Fortschreiten der Erkrankung entgegenwirken. Die Ergebnisse der an 60.000 Patienten gewonnenen Studienergebnisse sind hoch signifikant und sollten jedem Betroffenen Mut machen.

AMD-Risiko: Beratung und Vorsorge bei „augen-arzt-berlin“

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