In einem der letzten Blogbeiträge (www.augen-arzt-berlin.de/amd-therapie/) haben wir Sie über einen neuen Therapieansatz zur Bekämpfung der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) informiert. Es ging um die gentechnische Deaktivierung einer mit der AMD assoziierten Überreaktion eines Teils des Immunsystems. Heute erfahren Sie etwas über weitere Forschungsinnovationen zur Therapieentwicklung für degenerative Netzhauterkrankungen.

AMD-Stammzelltherapie – nicht nur Gentherapie

Bei der Entwicklung neuer Behandlungsstrategien der trockenen und feuchten AMD fokussiert sich die Molekularbiologie nicht allein auf gentherapeutische Ansätze. Die Forschungsergebnisse von Wissenschaftlern aus London (UK) und Bethesda (USA) geben Hoffnung, dass sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS) eine Art „Rohdiamanten“ darstellen, mit denen sich geschädigte/abgestorbene Lichtsinneszellen der Netzhaut ersetzen lassen. Damit werden sich die verschiedenen Formen der AMD und weitere zur Erblindung führende Netzhauterkrankungen womöglich in relativ naher Zukunft kurieren lassen.

Menschliche Stammzellen - AMD Makuladegeneration

AMD-Stammzelltherapie – was sind Stammzellen?

Stammzellen sind noch gänzlich undifferenzierte Zellen, die über das Potenzial verfügen, sich in verschiedenste Richtungen zu spezialisierten Gewebezellen zu entwickeln. Wie flexibel Stammzellen sind, richtet sich vor allem nach ihrer Herkunft und ihrem Entwicklungsstand. Befruchtete Eizellen, die frühesten Stammzellen, sind totipotent, d. h. aus ihnen kann sich ein vollständiger Mensch mit all seinen spezialisierten Zellen und Geweben entwickeln.  Stammzellen späterer Embryonalstadien sind „nur noch“ pluripotent, d. h. sie können keinen kompletten Menschen hervorbringen, aber  verschiedenste  Gewebestrukturen ausbilden. Ab der Geburt werden die Stammzellen adult (erwachsen) genannt. Ihr Differenzierungspotenzial beschränkt sich dann auf bestimmte Organe.

AMD-Stammzelltherapie – iPS aus dem Labor

Dank der  im Jahr 2012 mit dem Nobelpreis für Medizin 2012 geehrten Arbeiten von Shinya Yamanaka (J) und John Gurdonwie (UK) ist es heute möglich, im Labor reife Zellen durch Einschleusen von vier Genen zu Stammzellen umprogrammiert, die sich in jede Gewebeart verwandeln können. Diese sog. induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS) sind ebenso flexibel wie embryonale Stammzellen und damit bestens für den Ersatz geschädigter Gewebszellen geeignet. Seit 2014 laufen medizinische Tests, um AMD-bedingte Erblindung durch die Implantation von Netzhautzellen, die per iPS-Technologie gewonnen wurden, aufzuhalten.

AMD-Stammzelltherapie – Netzhautimplantate aus iPS

Den oben erwähnten Wissenschatlern aus London ist es gelungen, auf kleinen, biologisch abbaubaren Kunststoffmembranen aus iPS funktionsfähige Lichtsinneszellen zu kultivieren und zwei Patienten mit feuchter AMD damit zu behandeln. Die Zellimplantate wurden hinter die Makula (Netzhautregion mit der höchsten Sehzelldichte) eingesetzt. Wie gewünscht baute sich das Trägermaterial (die kleinen Kunststoffmembranen) selbstständig ab und im Verlauf eines Jahres besserte sich das Sehvermögen der Probanden deutlich. Bis zur Praxisreife bedarf es noch einigem an „Feintuning“ und klinischer Studien. Die Forscher aus London rechnen mit etwa fünf Jahren.

AMD-Stammzelltherapie – trockene AMD im Rückstand

Für die zwar weniger dramatisch verlaufende, dafür aber deutlich häufigere und bislang unheilbare trockene Form der AMD gab es bislang noch gar keine praktischen Erfahrungen mit Netzhautimplantaten, die aus iPS gezüchtet wurden. Diese Lücke wurde nun durch eine Forschergruppe vom National Eye Institute in Bethesda/Maryland geschlossen. Die Wissenschaftler implantierten erfolgreich aus iPS gewonnene retinale Lichtsinneszellen in die Augen von Nagetieren und Schweinen, die an Netzhautdegeneration litten. Klinische Studien in Menschenaugen stehen bislang noch aus. Bis zum möglichen Praxiseinsatz wird es vermutlich noch etwas länger dauern.

AMD-Vorsorge ohne Wertverlust

Die Chancen, dass in absehbarer Zeit kausale Therapieoptionen für degenerative Netzhauterkrankungen wie die trockene und feuchte AMD verfügbar sein werden, stehen recht gut. Unabhängig davon wird die AMD-Vorsorge nichts von ihrer heutigen Bedeutung verlieren. Gerade die so häufige trockene AMD verläuft schleichend. Erste Einschränkungen der Sehkraft vermag unser leistungsfähiges Gehirn über mehrere Jahre hinweg auszugleichen, ohne dass wir etwas davon bemerken. Oft werden sich Patienten ihrer Netzhautschädigungen erst bewusst, wenn bereits beide Augen erheblich Schaden genommen haben. Daher können regelmäßige AMD-Vorsorgeuntersuchungen – spätestens ab dem 60. Lebensjahr im Jahresrhythmus – jedem nur ans Herz gelegt werden. Dass kausale Therapieoptionen noch ausstehen, ist keinesfalls gleichbedeutend mit Handlungsunfähigkeit. Heutige Behandlungsstrategien können die Krankheitsprogression aufhalten. Der Faktor Zeit spielt dabei eine entscheidende Rolle – je früher eine noch asymptomatische AMD erkannt wird, desto besser sind die therapeutischen Erfolgsaussichten.

AMD-Vorsorge – die richtige Adresse

Wenn die neuen Technologien der Stammzell- und Gentherapie verfügbar sein und ihre Eignung unter Beweis gestellt haben werden, dürfen Sie wie bisher darauf zählen, bei den Augenärzten am Platz der Luftbrücke die bestmögliche, höchsten Sicherheitsstandards entsprechende Behandlung zu erhalten. Für die AMD-Vorsorge machen Sie am besten gleich einen Termin.