Degenerative Netzhauterkrankungen wie die Altersabhängige Makuladegeneration (AMD) sind mit einem hohen Erblindungsrisiko verbunden. Die jüngsten Fortschritte in der Entwicklung der Gentherapie nähren die Hoffnung, in absehbarer Zukunft über wirksame Behandlungsstrategien zu verfügen.

AMD Altersabhängige Makuladegenertaion - neuer gentherapeutsciher Ansatz - DNA-Strang

AMD – Gentherapie zur gezielten Immunsuppression

Verschiedene Formen der AMD sind die häufigste Ursache schwerer Sehbehinderung der Ü55-Generation. In Europa sind ca. 1,6 Prozent der über 55-Jährigen und über 13 Prozent der über 85-Jährigen von der Spätform mit teils hochgradiger Sehbehinderung betroffen. Umwelt und Lebensstil (Rauchen!) sowie genetische Faktoren beeinflussen die Entwicklung und das Fortschreiten der Erkrankung. Kennzeichen ist ein Absterben von Sehzellen im Netzhautzentrum (Makula), die für scharfes und farbiges Sehen verantwortlich sind. In Deutschland gehen über 40 Prozent der Neuerblindungen auf eine AMD zurück. Nach aktuellen Zahlen der Gutenberg Gesundheitsstudie, die seit 2007 Gesundheitsdaten von mehr als 15.000 Frauen und Männern über Herz-Kreislauf-, Augen- und psychosomatische Erkrankungen sammelt und epidemiologisch auswertet, sind in Deutschland etwa 6,9 Millionen Menschen an Frühformen und  fast eine halbe Millionen an Spätstadien der AMD erkrankt.

AMD – Therapieansätze für die feuchte Form

Etwa 10 bis 15 Prozent der AMD-Patienten entwickeln die sogenannte feuchte Form der AMD, die durch ein unkontrolliertes Wuchern von undichten Blutgefäßen in der Netzhaut gekennzeichnet ist. Durch Flüssigkeitsaustritt schwillt die Netzhaut an und hebt sich von ihrer Unterlage ab, was die Sehzellen zunehmend funktionsuntüchtig macht. Diese feuchte Variante ist die deutlich aggressivere, zu schneller Verschlechterung des Sehvermögens führende AMD-Form. Der einzige „Vorteil“: Bei frühzeitiger Diagnose durch den Augenarzt gibt es heute verschiedene Therapieansätze, die das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen, bisweilen sogar aufhalten können. Dafür stehen mit  sogenannten VEGF-Hemmern Medikamente zur Verfügung, die das körpereigene Wachstumshormon VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) inhibieren, um das Wuchern der löchrigen Gefäße zu unterbinden.

AMD – trockene Form bislang nicht heilbar

Die mit 85 bis 90 Prozent deutlich häufigere trockene, d. h. ohne unkontrolliertes Wachstum poröser Gefäße verlaufende AMD entwickelt sich langsamer und es besteht immer die berechtigte Hoffnung, dass sie spontan zum Stehen kommt. Leider fehlen bislang Heilung versprechenden Therapien. Allenfalls von hochdosierten Vitamin-Spurenelement-Präparaten wird über eine gewisse verzögernde Wirkung berichtet. Neue Hoffnung keimt jetzt aber durch die Forschungsarbeiten von Molekularbiologen aus Oxford auf.

AMD – Gentherapie zur gezielten Immunsuppression

Die britischen Wissenschaftler bauen ihre Arbeit auf der Erkenntnis auf, dass die AMD-typischen Netzhautveränderungen mit einer chronischen Überaktivierung bestimmter Teile des Immunsystems assoziiert sind. Den Forschern ist es gelungen, mehrere beteiligte Gene zu identifizieren, die sie nun durch gentechnisch intakte DNA-Abschnitte ersetzen wollen, um die regional überschießenden Immunreaktionen zu stoppen.

AMD – erste klinische Studie gestartet

Nach optimistisch stimmenden tierexperimentellen Studien ist soeben die erste klinische Pilotstudie mit 10 humanen Patienten angelaufen. 2021 wird mit ersten Ergebnissen gerechnet. Inwieweit diese Strategie erfolgreich sein wird, um AMD-Patienten bei frühzeitiger Behandlung das Sehvermögen zu erhalten, lässt sich derzeit noch nicht beurteilen. Parallel gibt es weitere innovative Forschungsansätze, über die wir in einem der nächsten Blogbeiträge berichten werden.

AMD – Früherkennung ist so wichtig

Die noch fehlenden Heilungsmöglichkeiten sollten auf keinen Fall zu der resignatorischen Einstellung verführen: „Wozu Früherkennung, wenn keine Therapie möglich ist?“ Ihr Augenarzt kann Frühformen der trockenen AMD anhand sogenannter Drusen (Ablagerungen von Stoffwechselabfällen unter der Netzhaut) erkennen, lange bevor Sie selbst Beeinträchtigungen Ihres Sehvermögens wahrnehmen. Im weiteren Verlauf steigen Menge und Größe dieser Drusen an und verschlechtern unter zunehmendem Sehkraftverlust die Versorgung der Sehzellen in der Makula. Um diese Krankheitsprogression zu verlangsamen und möglichst zu verhindern, dass die trockene in eine aggressive feuchte Form übergeht, kann Ihr Augenarzt  individuell angepasste Behandlungsmaßnahmen mit Ihnen erwägen. Dabei gilt: Je früher erkannt, umso besser die Prognose!

AMD – rechtzeitig und regelmäßig zu Augencheck

Gerade weil es für die AMD noch keine ursächlich heilende Therapie gibt, ist eine Früherkennung zur Vermeidung beschleunigender Risikofaktoren besonders wichtig. Wegen der teils drastischen Sehkraftverluste ist die Vorsorgeuntersuchung zur Früherkennung der AMD eine Herzenssache der Augenärzte am Platz der Luftbrücke. Wir haben nur ein Augenlicht. Daher machen Sie in Ihrem eigenen Interesse einen Termin (gern online) und lassen Sie Ihre Augen von Dr. Febrer Bowen oder Dott.ssa Gurabardhi untersuchen – nicht zu spät und regelmäßig.