Mit (natürlichen) B-Vitaminen den Homocysteinspiegel senken

Weltweit sind Ophthalmologen auf der Suche nach wirksamen Präventions- und Behandlungsstrategien für die Altersabhängige Makuladegeneration AMD, der häufigsten Ursache für Erblindung bei über 55-Jährigen. Über hoffnungsvolle Ansätze aus dem Bereich der Gen- sowie Stammzelltherapie haben wir kürzlich berichtet. Kaum weniger intensiv läuft die Ergründung konservativen Behandlungs- und wirksamer Präventionsmethoden. Die Aminosäure Homocystein (HCY) und Vitamine des B-Komplexes könnten dabei eine wichtige Rolle spielen.

AMD – HCY + B-Vitamine: Suche nach Kausalitäten

Wie der Name verrät, ist die Altersabhängige Makuladegeneration (AMD) eine Augenerkrankung, die in aller Regel erst in fortgeschrittenen Dekaden des Lebensweges symptomatisch zum Tragen kommt. Da die genauen Ursachen für die Zerstörung von Lichtsinnenzellen im Netzhautbereich der höchsten Sehschärfe (Makula) noch nicht hinreichend ergründet werden konnten, sind bislang keine kausalen Therapien verfügbar. Daher fokussieren sich die Bemühungen zum einen auf die möglichst in jungen Jahren beginnende Prävention und zum anderen bei bereits betroffenen Menschen auf die Verlangsamung bzw. das Aufhalten des Krankheitsfortschritts.

Gesunde und ausgewogene Ernährung - Altersabhängige Makuladegeneration (AMD)

AMD – HCY + B-Vitamine: Genetik und Lebensstil

Als sicher gilt, dass es sich bei der AMD nicht um eine monofaktorielle Krankheit handelt, d. h. sie lässt sich nicht auf eine Einzelursache wie den Defekt eines bestimmten Gens zurückführen. Gestärkt wird diese Auffassung durch britische Forschungsarbeiten, die auf eine Beteiligung mehrerer im Bereich des Immunsystems aktiver Gene hindeuten. Auf der anderen Seite lassen zahlreiche klinische Studien keine Zweifel an einer erheblichen Bedeutung von Umweltfaktoren und individueller Lebensweise. An der Schnittstelle zwischen Genetik und Umwelt/Lebensstilfaktoren stehen zelluläre Stoffwechselprozesse, deren Algorithmen  genetisch determiniert, deren Ablauf aber von äußeren Faktoren beeinflusst wird. Im Fall der AMD hat sich der sogenannte oxidative Stress und die eng mit ihm in Verbindung stehende Aminosäure Homocystein als beeinflussbarer kritischer Faktor erwiesen.

AMD – HCY + B-Vitamine: oxidativer Stress

Unter oxidativem Stress versteht man die Bildung hochaggressiver, zellschädigender Sauerstoffverbindungen (sog. freie Radikale). Sie sind Produkte zahlreicher natürlicher Stoffwechselprozesse und werden im gesunden Organismus durch körpereigene Puffersysteme neutralisiert. Die  Photorezeptoren der Netzhaut sind durch das ständige „Lichtbombardement“ und ihre viel Sauerstoff verbrauchende Stoffwechselaktivität im Rahmen der Lichtverarbeitungsprozesse besonders anfällig für oxidativen Stress. Schon länger ist bekannt, dass eine Aminosäure namens Homocystein (HCY) den oxidativen Stress massiv verstärken und damit Blutgefäßschäden provozieren kann. Die Folge sind Versorgungsengpässe und Funktionsverluste. HCY seinerseits ist aber kein „externer“ Schadstoff, sondern ein natürliches Stoffwechselprodukt. Mehrere unabhängige Studien haben eine direkte Assoziation eines erhöhten HCY-Spiegels im Blut mit fortschreitenden Schädigungen von Blutgefäßen und Zellen (inklusive der Photorezeptoren) der Netzhaut aufgezeigt.  AMD-Patienten wiesen gegenüber gesunden Kontrollgruppen eine über 70% erhöhte HCY-Konzentration auf.

AMD – HCY + B-Vitamine: Gefahr durch hohe HCY-Spiegel

Was sind die Ursachen für ein gefährliches Ansteigen des HCY-Spiegels? Die Bildung und der Abbau von HCY selbst ist ein hoch komplexes Geschehen. Um einen raschen Abbau von schädlichen HCY-Überschüssen zu gewährleisten, sind bestimmte B-Vitamine – B6, B12 und B9 (=Folsäure) – von zentraler Bedeutung. Bei einer Unterversorgung mit nur einem dieser essentiellen Vitalstoffe droht ein Anstieg der HCY-Konzentration im Blut mit daraus resultierenden Gefäßschäden. Die Folge sind erhöhte Risiken für Herzkreislauferkrankungen und auch für Schäden an Gefäßen und Photozellen der Netzhaut im Bereich der Makula – also für die AMD. Als Ursachen für eine gestörte HCY-Balance im Kontext mit ungünstigem Vitamin B-Status stehen besonders drei Faktoren im Mittelpunkt:

  1. Alter: Besonders in der zweiten Lebenshälfte steigt die HCY-Konzentration zunehmend an. Als Ursachen werden ein verlangsamter HCY-Abbau und eine schlechtere Vitamin B-Aufnahme im Dünndarm vermutet.
  2. Rauchen: Selbst Wenigraucher haben im Schnitt signifikant erhöhte HCY- und niedrigere Vitamin B- und C-Spiegel im Blut als Nichtraucher.
  3. vitaminverarmte Ernährung

AMD – HCY + B-Vitamine: Antioxidantien senken HCY-Spiegel

Neben der dringenden Empfehlung, nicht zu rauchen, konzentrieren sich aktuelle Ansätze der AMD-Therapie auf die umfassende Versorgung mit antioxidativ wirksamen und damit oxidativem Stress entgegenwirkenden Mikronährstoffen. In den dazu durchgeführte Studien erwiesen sich besonders sekundäre Pflanzenstoffe (die Carotinoide Lutein und Zeaxanthin), Vitamin C und im Hinblick auf die HCY-Senkung die Vitamine B6, B12 und B9 (=Folsäure) als wirksam. Primär geht es dabei um die natürliche Ernährung und erst im Falle einer bestehenden AMD um gezielte Supplementierung. Die aktuellen Studien dazu sind verheißungsvoll. Ein guter Vitamin-B-Status senkt das Risiko für einen überhöhten HCY-Status und zugleich für die Entwicklung einer AMD. Bei bereits fortgeschrittenen AMD-Stadien ließ sich in vorklinischen Studien durch gezielte Supplementierung mit B6, B12 und Folsäure eine 55%ige Senkung des HCY-Spiegels und deutliche Verzögerungen der AMD-Progression erzielen.

AMD – HCY + B-Vitamine: „No NEM-Produkte“

Die positiven Studienergebnisse einer kontrollierten Gabe von B-Vitaminen sollte niemanden zu eigenständigen Einnahme frei verkäuflicher Nahrungsergänzungsmittel (NEM) verleiten. Die Gefahren einer Fehldosierung (auch von B-Vitaminen) werden allzu oft unterschätzt. Zudem unterliegen diese oft mit unzähligen Zusatzstoffen gespickten Produkte keinen strengen Zulassungskontrollen. Aufgrund ihrer teils erheblichen Wechselwirkungsprofile sollten NEM generell nur unter fachkundiger Kontrolle eingenommen werden – nie nach dem irrtümlichen „Kann-ja-nicht-schaden-Prinzip“!

AMD – HCY + B-Vitamine:  Mediterrane Kost – Vernunft ohne Verzicht

Die sog. Mediterrane Kost ist das, was als Conclusio seriöser Ernährungsstudien für den gesamten Körper und die Augen im Besonderen die umfassendste Versorgung mit allen essenziellen Makro- und Mikronährstoffen sichert. Dabei ist diese Ernährungsweise kein neuer Hype wie so viele der aktuellen pseudoreligiösen Verzichtsdiäten, die ganze Lebensmittelklassen ausschließen. Hinter mediterran verbirgt sich eine verbotsfreie omnivore Ernährungsweise, die auf pflanzlicher Kost mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Nüssen, Hülsenfrüchten und ausgewählten Pflanzenölen basiert, aber die Positiva hochwertiger tierischer Nahrung (Vitamin B-Versorgung) miteinbezieht. Dabei geht es besonders um die für den Menschen optimal verwertbaren Eiweiße und Fettsäuren aus Fisch, Eiern, Milchprodukten und fakultativ kleinen Fleischportionen, die bei ein bis zweimaligem Verzehr pro Woche die Versorgung mit Eisen- und Vitamin B12 (nur in tierischen Produkten!) sichern. Kurzum: Mediterran entspricht der „guten alten Mischkost“, wie sie die etwas Älteren von früher kennen: Viel frisches Obst und Gemüse, kein „Fertig- und Convenience-Kram“, regelmäßig Fisch und (nur) sonntags den „Braten!“ – ist auch gut für die Augen, wie die Forschung jetzt eruiert hat.

AMD – HCY + B-Vitamine: Aufklärung und Vorsorge

Nach Angaben des Berufsverbandes der Augenärzte (BVA) sind 20% der 65- bis 74-jährigen von Frühformen und 1% von Spätformen der Altersabhängigen Makuladegeneration AMD betroffen.  Bei den über 75-Jährigen liegen die Zahlen schon bei 35% (früh) und 5% (spät). Befragungen zeigten, dass drei von vier Personen aus der Risikogruppe der über 55-Jährigen noch nichts vom Krankheitsbild der AMD gehört haben.  Mit dem Lesen dieses Blogs gehören Sie zu den Informierten. Achten sie selbst und bei Ihren Kindern auf einen „augenfreundlichen“ Lebensstil – ohne Zigarette, mit pflanzlich betonter, omnivorer Ernährung, viel Bewegung und dem rechtzeitigen Wahrnehmen der AMD-Vorsorgeuntersuchung bei Ihren Augenärzten am Platz der Luftbrücke.