Vor 50 Jahren

Das Jahr 1969 ist durch zwei bedeutende Ereignisse geprägt: Bernhard Febrer Bowen erblickt das Licht der Welt und am 21. Juli macht Neil Armstrong jenen „kleinen Schritt für einen Menschen, der ein großer für die Menschheit“ war. Was beide Ereignisse miteinander verbindet? Das Neugeborene von damals kümmert sich heute als Augenchirurg Dr. med. Bernhard Febrer Bowen um jene Sinnesorgane, die bei Astronauten besonderen Belastungen ausgesetzt sind.

Augen auf bei der Berufswahl

Vermutlich werden Sie nicht zum erlesenen Kreis jener gehören, die in absehbarer Zeit einen längeren „Urlaub“ auf  der ISS oder in einem anderen schwerelosen Raum planen. Vielleicht haben Sie aber als Kind die Frage, „was willst du einmal werden?“, mit Astronaut(in) beantwortet. Dass es wohl weder mit dem Berufswunsch noch mit dem Weltraumabenteuer klappt, hat auch sein Gutes. Denn eines haben die weltraummedizinischen Forschungen gezeigt: Aufenthalte in der Schwerelosigkeit steckt der menschliche Körper nicht so einfach weg. Verschiedene Körperorgane leiden – darunter auch die Augen.

Augengesundheit im All - Astronaut im Weltall

Augen im All – gravierende Gravitationswirkungen

Die Schwerelosigkeit ist die stärkste und in ihrer Wirkungsbreite umfassendste Veränderung, der sich der menschliche Körper bei Weltraumaufenthalten ausgesetzt sieht. Der Wegfall der Gravitation beeinflusst die gesamte Physiologie, verändert Drückverhältnisse und Regelkreise, die auf die dauernde Einwirkung der Schwerkraft justiert sind. Kaum ein Organ, das nicht davon betroffen ist – einschließlich der Augen. Dank der weltraummedizinischen Forschung und längerer humaner Aufenthalte auf der ISS ist das Wissen um die Wirkungen der Schwerelosigkeit auf das Stoffwechselgeschehen und die Gesundheit beträchtlich angewachsen.

Augen im All – Astronautenaugen „sehen gefährlich“

Mittlerweile zeichnet sich ab, dass die Augen der Astronauten auf längeren extraterrestrischen Reisen in die Schwerelosigkeit sogar dauerhaft Schaden nehmen könnten! Woran das liegt, ist aktuell Gegenstand intensiver Forschung. Der erste, vergleichsweise harmlose Effekt fehlender Gravitationswirkung ist das erhöhte Risiko, dass Schwebeteilchen in die Augen fliegen. Nicht nur ungefährliche Schmutzpartikel und „Kekskrümel“, sondern auch scharfkantige Glas- und Metallsplitter fallen nicht wie gewohnt zum Boden, sondern schweben frei vor den bzw. in die Augen. Immerhin lassen sich solche mechanischen Unfälle durch besondere Obacht vermeiden. Anders sieht es bei „unsichtbaren“ Einflüssen auf Organfunktionen aus – darunter Veränderungen der Sehschärfe.

Augen im All  – Dellen im Augapfel

Es erscheint etwas mystisch und bereitet Weltraumophthalmologen einiges Kopfzerbrechen. Manche Astronauten leiden im All unter deutlichem Nachlassen ihrer Sehschärfe und brauchen zum Lesen plötzlich eine Brille. Andere dagegen, die auf der Erde eine Brille oder Kontaktlinse benötigen, sehen „da oben“ ohne Sehhilfe scharf. Allerdings zeigen sich diese konträren Wirkungen bei den Betroffenen oft nur auf einem Auge. Bei der biometrischen Untersuchung stellten die Augenärzte Eindellungen der Augäpfel im hinteren Bereich als Folge einer Kompressionswirkung fest. Glücklicherweise erwiesen sich die Form- und Sehkraftveränderungen nach Rückkehr zur Erde als reversibel. Allerdings dauerte die Reversion bis zu zwei Jahre und es ist zu befürchten, dass längere Weltraumaufenthalte zu irreversiblen Sehkraftverlusten führen

Augen im All – erhöht sich der Hirndruck?

Die Ursachensuche ist diffizil. Zur Diskussion steht eine durch die Schwerelosigkeit bedingte Hirndruckerhöhung. Kernspintomografische Untersuchungen zeigten, dass die Gehirne von Astronauten in der Schwerelosigkeit offenbar schrumpfen. Die Ursache sehen die Wissenschaftler in einer Umverteilung der Körperflüssigkeiten. Während auf der Erde die Wirkung des hydrostatischen Drucks den Blutfluss in Arme und Beine – allgemein in untere Körperregionen – fördert, wandert in der Schwerelosigkeit deutlich mehr Körperflüssigkeit in die oberen Körperregionen – einschließlich des Kopfes. Dabei geht es besonders um das sogenannte „Hirnwasser“ (Liquor cerebrospinalis), welches im permanenten Fluss Gehirn und Rückenmarkt umspült, um die sensiblen Strukturen zu schützen, zu ernähren und Schadstoffe abzutransportieren. Wird infolge der Schwerelosigkeit bedeutend mehr Hirnwasser angeflutet, beginnt es sich zu stauen. Es kann seine Funktionen nicht mehr korrekt erfüllen und es kommt zu einer Druckerhöhung, die das Gehirn „zusammenpresst“, den Augapfel eindellt und womöglich auch den Sehnerv irritiert.

Augen im All – viele offene Fragen

Warum aber verändert sich oft nur ein Auge? Was macht das nicht betroffene Augen stabil gegenüber Druckabweichungen? Wie lässt sich das alles nicht-invasiv, in situ untersuchen? Es steht noch viel Forschungsarbeit auf dem Programm, bevor die erste bemannte Marsmission an den Start gehen kann. Die Astronauten werden dann erheblich länger der Schwerelosigkeit ausgesetzt sein als der bisherige Rekordhalter, Valeri Polyakov,  mit 437,75 Tagen am Stück. Es würde wenig nutzen und wäre ethisch nicht vertretbar, wenn die Raumfahrer erheblich sehgemindert oder gar blind den „roten Planeten“ erreichen.

Augen „terrestrisch“ – piloten- und polizeitauglich

Sollten Sie zu den Auserwählten für eine astronautische Karriere zählen, werden sich ESA- oder NASA-Ärzte um Ihre Augen kümmern. Wenn es mit der Weltraumfliegerei aber nichts wird, streben Sie vielleicht eine irdische Pilotenlaufbahn oder den bodennahen Polizeidienst an. Für beide Berufskarrieren gibt es gesetzlich geregelte Vorgaben an das Sehvermögen. Augenoperationen wie z. B. Laserkorrekturen (LASIK) sind heute kein generelles Ausschlusskriterium mehr. Auf der Website der Augenärzte am Platz der Luftbrücke können Sie sich eingehender informieren – Erhalten Sie hier Informationen für Piloten und Polizisten. Für entsprechende Sehtests sowie eventuell zur Erfüllung der Sehkraftanforderung erforderliche Behandlungen  können Sie sich vertrauensvoll an die Augenärzte am Platz der Luftbrücke um Dr. med. Bernhard Febrer Bowen und Dott.ssa Maceda Gurabardhi wenden.