Die refraktive, d. h. die Brechkraft des Auges veränderte Chirurgie zählt zu den innovativsten, sich am schnellsten weiterentwickelnden Disziplinen der modernen Medizin. Sie ermöglicht die Korrektur von Abbildungsfehlern des Auges, die auf verschiedenen, zum Teil altersabhängigen Ursachen beruhen (z. B. Grauer Star, Hornhautverkrümmung, Alterssichtigkeit, Kurz- oder Weitsichtigkeit) und macht dadurch viele Patienten unabhängig von einer Brille. Mit dem Augenlasern und der Linsenchirurgie gibt es grundsätzlich zwei refraktivchirurgische Strategien, die sich in der behandelten Augenstruktur (Hornhaut versus Linse) unterscheiden. Für beide Verfahren gibt es allgemeine und individuelle Auswahl- bzw. Ausschlusskriterien.

Augenlasern oder Dauerlinsen - Glückliche junge Frau ohne Brille

Laser oder Linse: Hornhautstyling oder Linsenimplantat

„Kann man das lasern?“ Diese Frage wird Dr. med. Febrer Bowen und seinen Kolleginnen von den Augenärzten am Platz der Luftbrücke oft gestellt. Besonders Patienten mit dem Wunsch, ein Leben ohne Brille führen zu können, aber auch viele, die erstmals mit dem bewussten Nachlassen ihrer Sehkraft konfrontiert werden, interessieren sich für die augenoperativen Möglichkeiten. Oft zeigt sich dabei ein Informationsdefizit hinsichtlich der grundsätzlichen Unterschiede zwischen Laserchirurgie und Dauerlinsen. Dass beide Ansätze der Korrektur fehlerhafter Refraktion (Lichtbrechung) dienen und für bestimmte Augenerkrankungen prinzipiell beide Strategien möglich sind, macht das Verständnis nicht leichter. Aber DER charakteristische Unterschied zwischen beiden Verfahren betrifft das „Objekt der Begierde“, d. h. die Struktur des Auges, an der Ihr Chirurg manipulatorisch tätig wird:

  • Lasern bedeutet Modellieren der Augen-Hornhaut, also des vorderen glasklaren Teils der äußeren Hülle des Augapfels. Die Augenlinse bleibt „unberührt“.
  • Linsenchirurgie trägt den Angriffspunkt der Operation bereits im Namen. Es geht um die Implantation einer künstlichen Dauerlinse (Intraokularlinse), die entweder im Austausch gegen die körpereigene Linse oder aber als zusätzliche Linse im Auge fixiert wird. Mit Hornhautbearbeitung hat diese Strategie nichts zu tun.

Laser oder Linse: Varianten und Kombinationen

Für beide Therapiestränge gibt es zahlreiche Varianten.  Im Falle des Laserns betreffen sie vor allem die Art, wie sich Ihr Augenchirurg den Weg zur Hornhaut bahnt, um hier mit einem sogenannten Excimerlaser erforderliche Korrekturen vorzunehmen. Genauere Information zu den unterschiedlichen Lasertechniken (Lasik, Femtolasik, Lasek, PRK) finden Sie auf der Website der Augenärzte am Platz der Luftbrücke.

In der Linsenchirurgie betreffen die Unterschiede zunächst die grundlegende Implantationsmethode. So gibt es Austauschlinsen, die als Ersatz für eine (z. B. durch Grauen Star) beschädigte körpereigene Linse dienen und Additivlinsen, die zusätzlich zur „eigentlichen“ Augenlinse implantiert werden, um deren Leistung zu verbessern. Dabei können Additivlinsen prinzipiell sowohl als sogenannte phake Linse vor die natürliche Augenlinse oder aber nach einer bereits erfolgten Linsenaustauschoperation als sogenannte pseudophake Linse vor eine künstliche Linse implantiert werden, etwa um Restfehlsichtigkeiten auszugleichen.

Um die Vielfalt der refraktivchirurgischen Behandlungsoptionen noch größer zu machen, gibt es bei entsprechender Indikation auch die Möglichkeit, das Ergebnis einer erfolgten Linsenaustausch-Operation durch eine nachgängige Laserbehandlung weiter zu optimieren.

Laser oder Linse: Was ist für mich die bessere Wahl?

Eine grundlegende Maxime gilt es von vorn herein zu verinnerlichen: Jede Therapieentscheidung sollte streng individuell getroffen werden.  Grundlage bildet eine sorgfältige augenärztlicher Voruntersuchung. Die daraus gewonnenen augenmedizinischen Zustandsparameter  gilt es mit persönlichen Lebensstilfaktoren (Beruf, Freizeit) abzugleichen, um im gemeinsamen Arzt-Patienten-Austausch die für jeden einzelnen erfolgversprechendste Methode zu sondieren.  So kann für zwei Patienten mit der gleichen Augenerkrankung aufgrund unterschiedlicher struktureller Merkmale (z. B. Hornhautdicke) oder abweichender Lebensweisen eine jeweils andere Lösung die bessere sein. Das kann sowohl die Wahl der Strategie (Laser oder Linse) oder aber, wenn es eine Goldstandardbehandlung (z. B. beim Grauen Star) gibt, das Material und die Ausgestaltung der Kunstlinse (monofokal, multifokal) betreffen.

Unabhängig von der Art der Sehbehinderung sollte die Therapiefindung immer nach dem gleichen Muster ablaufen:

→ gründliche Augenuntersuchung mit Messung relevanter Parameter
→ Arzt-Patienten-Gespräch: Aufklärung und Abgleich von Erwartung und Erfolgsaussichten
→ gemeinsame Entscheidung für einen Therapieweg

Laser oder Linse: Eignung für eine Laserbehandlung

Laserkorrekturen kommen bei Brechungsfehlern in Betracht, die nicht mit einer strukturell beschädigten Augenlinse einhergehen. Die typischen Einsatzgebiete betreffen Kurz-, Weit- und Alterssichtigkeit sowie Stabsichtigkeit infolge Hornhautverkrümmung (Astigmatismus). Es geht somit um Beeinträchtigungen des Sehvermögens, die grundsätzlich mit einer externen Sehhilfe (Brille Kontaktlinse) therapierbar sind. Da jede Laserbehandlung mit einem Abtragen von Hornhautsubstanz verbunden ist, gibt es eine Reihe grundlegender Beschränkungen:

  • Die Hornhaut muss á priori eine bestimmte Mindestdicke aufweisen.
  • Je stärker die Fehlsichtigkeit, desto größer der erforderliche Gewebeabtrag. Daher lassen sich mit dem Lasik-Verfahren im Regelfall Kurzsichtigkeit nur bis etwa -8 Dioptrien, Weitsichtigkeit bis ca. +3 Dioptrien und Hornhautverkrümmung bis ca. -5 Dioptrien per Laser therapieren (Bei stärkerer Fehlsicht kommt eher die Linsenchirurgie in Betracht).
  • Der niedrigere Wert für die Weitsichtigkeit ist im höheren Gewebeabtrag beim „Aufsteilen“ der Hornhaut begründet.
  • Der zu behandelnde Sehfehler sollte einen stabilen Status (keine akute Progression während der vorausgegangenen zwei Jahre) aufweisen.
  • Es liegen keine weiteren Augenerkrankungen wie Grauer/Grüner Star oder eine Makuladegeneration vor.

Naturgegeben steigt im höheren Lebensalter, die Wahrscheinlichkeit für eine Reihe nicht per Laser behandelbarer Augenerkrankungen. Höheres Alter bedeutet zwar kein absolutes Ausschlusskriterium. Allgemein gelten Laserkorrekturen aber eher als Option für „augenmedizinisch junge“ Menschen zwischen 18 und etwa 60 Jahren.

Laser oder Linse: Indikation für eine Kunstlinse

Die klassische Indikation für einen Linsenaustausch ist der „Grauer Star“ (Katarakt) – die Trübung der körpereigenen Augenlinse. Die Kataraktoperation, also der Tausch der ergrauten gegen eine künstliche Intraokularlinse, ist hier die einzige und zugleich sehr erfolgreiche Therapieoption. Aufgrund des immensen Fortschritts von Linsentechnologie und OP-Technik haben sich Linsenimplantationen mittlerweile für die Therapie weiterer Sehstörungen – darunter extreme Ausprägungen von Kurz- und Weitsichtigkeit – etabliert. Ein besonderer Vorteil ist die Möglichkeit, über spezielle Linsendesigns zugleich mehrere Sehfehler zu korrigieren (z. B. Grauer Star plus Weit-, Kurz-, Stab- oder Alterssichtigkeit).

Laser oder Linse: Überschneidungen

Spannend wird es in jenen Fehlsichtbereichen, bei denen sowohl eine Laserbehandlung als auch ein Linsentausch infrage kommen. Das betrifft besonders Fälle relativ moderat ausgeprägter Weit- (weniger als +3 dpt) und Kurzsichtigkeit (zwischen -1 und ca. -8 dpt). Der Laser kommt ohne implantiertes Kunstmaterial aus, bedeutet aber eine irreversible Hornhautmodellierung. Die Implantation einer Zusatzlinse punktet durch das Ausbleiben struktureller Hornhautveränderungen und besonders durch die Reversibilität. Später eintretenden Veränderungen des Sehvermögens kann durch Entfernung bzw. Austausch der additiven Linse Rechnung getragen werden. Die Beispiele zeigen, dass es keine „One-fits-all“-Lösungen gibt, sondern jeder einzelne Patient als Individuum mit seinem ganz persönlichen augenmedizinischen und Lebensart-Profil behandelt werden muss. Der Arzt-Patienten-Kommunikation kommt dabei eine besonders wertzuschätzende Rolle zu.

Laser oder Linse: Finden Sie „Ihre“ beste Lösung

Die moderne refraktive Chirurgie bietet mit der Hornhautkorrektur per Lasertechnik sowie der Implantation von Austausch- oder Zusatzlinsen zwei zuverlässige Strategien mit unterschiedlichen Angriffspunkten für die Korrektur Ihrer Sehbehinderung. Für beide Ansätze gibt es Indikationen, Ausschlusskriterien, aber auch Überschneidungen, die ein Pro-und-Kontra-Abwägen erforderlich machen.

Jedwede Therapieentscheidung sollte streng individuell auf Basis gründlicher augenärztlicher Voruntersuchung und im Abgleich von augenmedizinischer Eignung, Patientenerwartung und Erfahrung/Expertise Ihres Augenchirurgen erfolgen. Lassen Sie sie daher nur von einem Augenarzt Ihres Vertrauens beraten.

Wünschen Sie kompetente Antworten auf Ihre Fragen zu Laserbehandlung und Linsenimplantation? Vereinbaren Sie gern online einen Termin bei den Augenärzten am Platz der Luftbrücke!