Das unstrittig hohe Tempo des Klimawandels bedeutet auch für die Augen ein erhöhtes Gefahrenpotenzial. Klimaforscher warnen vor steigender solarer UV-Belastung, die nicht „nur“ die Hautkrebsgefahren, sondern auch die Inzidenz (Neuerkrankungsrate) für sogenannte Ophthalmoheliosen (gr. ophthalmos: Auge, helios: Sonne) zu erhöhen droht. Das sind Augenkrankheiten, die durch intensive Sonnen-/UV-Strahlung ausgelöst oder zumindest verstärkt werden. Für die Entwicklung eines sogenannten Flügelfells (Pterygium) scheint starke Sonnen-/UV-Belastung ein besonderer Trigger zu sein.

Flügelfell/Pterygium – Was ist das?

Pterygium conjunctivae, so der Fachbegriff, bedeutet „Flügel der Bindehaut“ und beschreibt treffend eine gar nicht so seltene Gewebewucherung der Bindehaut des Auges. Zur Beruhigung: Es handelt sich in der Regel um eine gutartige Gewebeveränderung, hat also nichts mit Krebs zu tun. Das Pterygium wird über eigene Blutgefäße gut mit Sauer- und Nährstoffen versorgt. Das bedeutet gute Wachstumsbedingungen.

Pterigion

Flügelfell/Pterygium – Wo wächst es genau?

In den meisten Fällen wächst ein Flügelfell vom Nasen-zugewandten Rand des Auges in Richtung Augenmitte. Deutlich seltener beginnt das Wachstum am äußeren (stirnseitigen) Augenrand. Im fortgeschrittenen Stadium kann ein Pterygium auf die Augenhornhaut übergreifen. Seine annähernd dreieckige, an einen Flügel erinnernde Form ist namensgebend.

Flügelfell/Pterygium – Wer ist betroffen?

Neben einem geringfügigen geschlechtsspezifischen Unterschied – Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen – ist das auffälligste epidemiologische Charakteristikum eine deutliche Häufung bei Menschen, die viel Zeit im Freien unter intensiver Sonneneinstrahlung verbringen. Australische Ophthalmologen berichteten 2016 auf einer Fachtagung in Berlin, dass „bei ihnen“ auf der Südhalbkugel in „Down-Under“ 90 Prozent aller professionellen Surfer von einer Flügelfellbildung betroffen sind, weshalb dort vom „Surfer-Eye“ gesprochen wird. Das deckt sich mit den Erfahrungen, die Dr. med. Bernhard Febrer Bowen während seiner augenchirurgischen Tätigkeit in Spanien gemacht hat. Auch dort unter südlich-intensiver Sonne zeigt sich eine vergleichsweise hohe Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) für das Flügelfell.

Flügelfell/Pterygium – Was sind die Ursachen?

Der leichte Genderdifferenz spricht für eine zumindest marginale genetische Komponente auf einem Geschlechtschromosom und/oder einen hormonellen Einfluss. Die sehr eindeutigen epidemiologischen Daten spiegeln einen großen Einfluss hoher Sonnen- bzw. solarer UV-Strahlenbelastung auf die Genese eines Pterygiums wider. Das ist nichts Ungewöhnliches. Auch viel bekanntere Augenerkrankungen wie der Graue Star (Katarakt) oder die Altersabhängige Makuladegeneration (AMD) werden zu den sogenannten Ophthalmoheliosen, also den durch Sonnen-/UV-Strahlen geförderte Augenkrankheiten, gezählt. Allerdings ist die Assoziation zu hoher UV-Belastung beim Flügelfell am prägnantesten.

Flügelfell/Pterygium – UV aktiviert Fibroblasten

Der genaue Auslösemechanismus ist noch nicht geklärt. Doch spricht Vieles dafür, dass die solaren UV-Strahlen durch die Zerstörung von Bindehautzellen spezielle Kollagen produzieren Bindegewebszellen (sog. Fibroblasten) zu einer überschießendem Zellteilungsaktivitat (Proliferation) anregen. Prinzipiell ist dies eine normale Wundheilungsreaktion, die hier aber offenbar aus dem Ruder läuft. Als andere mögliche Ursachen für die Pterygium-Entwicklung werden Entzündungsprozesse und fehlgesteuerte Reaktionen des Immunsystems (Autoimmunstörungen) diskutiert.

Flügelfell/Pterygium – Welche typischen Beschwerden treten auf?

Es gibt milde Verläufe, die nahezu asymptomatisch / beschwerdefrei verlaufen. Das gilt insbesondere für sehr kleinflächige Flügelbildungen, die nicht auf die Hornhaut übergehen. In der Vielzahl der Fälle treten aber typische Symptome auf, die jedoch nicht exklusiv für die Flügelfellbildung stehen, da sie auch bei anderen Augenerkrankungen vorkommen. Ein häufiges Frühsymptom ist ein Fremdkörpergefühl im Auge, zu dem sich nachfolgend Augenrötung und Reizzustände (z. B. Juckreiz) gesellen können. Darüber hinaus kann ein wachsendes Pterygium zu einer asymmetrischen Hornhautkrümmung (Astigmatismus) führen, die sich in Sehschärfeverlusten und verzerrtem Sehen (sog. Stabsichtigkeit) äußert. Wer nicht bereits durch die unspezifischen Reizsymptome den Weg zum Augenarzt gefunden hat, sollte es allerspätestens jetzt tun!

Flügelfell/Pterygium – Augenärztliche Diagnostik

Ein erfahrener Augenarzt erkennt ein Pterygium in der Regel bereits makroskopisch durch Blickdiagnose, d. h. er sieht mit bloßem Auge die Wucherung auf der Bindehaut. Mit apparativer Unterstützung folgt die genaue Abklärung, ob bzw. wie weit das Flügelfell auf die Hornhaut übergegriffen hat, wie die Gefäßversorgung und der Durchblutungsstatus beschaffen sind. Durch einen Test des Sehvermögens und die Messung der Hornhautkrümmung wird abschließend geklärt, inwieweit bereits eine Sehbehinderung durch Astigmatismus vorliegt.

Flügelfell/Pterygium – Welche Vorbeuge- und Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Es gibt wichtige Präventionsmaßnahmen sowie konservative und chirurgische Therapieoptionen, deren Wahl von individuellen Faktoren und dem Grad des subjektiven Leidensdruckes abhängen. Über die Indikationen verschiedener Behandlungsstrategien eines Flügelfells bzw. Pterygiums, deren Ablauf und Prognose möchten wir Sie in einem separaten Folgebeitrag informieren.

Flügelfell/Pterygium – Signalwirkung

Die starke Assoziation zwischen Flügelfellgenese und Sonnenexposition macht es möglich die Erkrankung als Warnsignal für eine zu starke UV-Belastung der ungeschützten Augen und damit für ein erhöhtes Risiko zu deuten, eine schwerwiegendere Ophthalmoheliose (Katarakt, AMD) zu entwickeln. Wem ein Pterygium wächst, der sollte nach erfolgreicher Therapie sehr sorgfältig auf UV-Schutz (Sonnenbrille mit „100%“- bzw. „UV 400“-Siegel) seiner Augen achten. Nicht Betroffene sollten Selbiges aus Gründen der Prävention tun.

Flügelfell/Pterygium – „Was ich nicht weiß…

„…macht mich nicht heiß!“ Auf Banalitäten mag die Redewendung zutreffen, auf die eigene Augengesundheit aber ganz sicher nicht! Eine Reihe von Befragungsstudien ergab, dass 95% der Menschen zu viel Sonne/UV mit Gefahren für die Haut (Sonnenbrand, Hautkrebs) in Verbindung bringen, aber gerade einmal 7% eine Assoziation zur Augengesundheit herstellen. Das Wissen über UV-induzierte Augenerkrankungen (Ophthalmoheliosen) ist nur spärlich vorhanden, die Sonnenbrille wird weniger als Augenschutz, sondern eher als Komfort oder Modeaccessoire angesehen. Aufklärung tut Not!

Flügelfell – Lange Erfahrung bei „augen-arzt-berlin“

In südlichen Gefilden ist die Flügelfell-Prävalenz (Betroffenenzahlen) aufgrund der intensiveren Sonnenstrahlung schon immer deutlich höher. Durch seine mehrjährige Tätigkeit als leitender Augenchirurg in Barcelona verfügt Dr. Febrer Bowen über einen großen Erfahrungsschatz in der Diagnostik und operativen Versorgung der Pterygium-Erkrankung, von der Sie in Hinblick auf diagnostische Sicherheit und bestmögliche Therapieoption profitieren. Buchen Sie Ihren Beratungstermin bei Dr. med. Bernhard Febrer Bowen und den Augenärzten am Platz der Luftbrücke bequem online!