Kataraktoperation: 200 schwere Verkehrsunfälle weniger

Seit Jahren wird in Deutschland kontrovers über die Einführung regelmäßiger verpflichtender Sehtests für Autofahrer diskutiert. Zwar gehören Fahrer der Ü65-Generation nicht zu den Hauptverursachern schwerer Verkehrsunfälle, doch zeigen die offiziellen Statistiken, dass gerade die Zahl selbst verschuldeter Unfälle ab dem 65sten Lebensjahr signifikant ansteigt. Unterschiedliche Faktoren – wie ein Nachlassen von Reaktionsschnelligkeit, Beweglichkeit des Kopfes und kognitiven Fähigkeiten wirken da zusammen. Der Verlust an Sehkraft ist aber meistens die erste gravierende Einschränkung mit direkter Auswirkung auf die Straßenverkehrstauglichkeit.

Grauer Star und Autofahren: Gefahr nähert sich „auf leisen Sohlen“

Das Tückische am Nachlassen der Sehkraft ist der meist langsame, progressive Verlauf. Peu à peu wird das Sehvermögen schlechter, ohne dass sich die Betroffenen dessen gewahr werden. Oft gibt dann erst eine brenzlige Alltagssituation das entscheidende Warnsignal. Beim Autofahren kann aber bereits dieser erste Schockmoment eine Tragik verursachen. Die praktisch jeden betreffende Alterssichtigkeit ist für das Autofahren zunächst weniger gravierend, da über mittlere und weite Distanzen noch gut gesehen wird. Bei der Katarakt, dem Grauen Star, ist das anders. Der sich über die Linse legende Grauschleier betrifft das Sehen über alle Distanzen und zudem das Farbensehen. Obendrein kommt es zu Einschränkungen des Sehfeldes, was für die Sicherheit beim Autofahren (z. B. Radfahrerblick) besonders gravierend ist. Dass die Kataraktentwicklung ein großen Anteil am Ansteigen der Häufigkeit schwerer Verkehrsunfälle durch Verschulden über 65-jähriger Autofahrer trägt, hat eine aktuelle Langzeitstudie aus Kanada ebenso deutlich gezeigt wie die Unfälle verhindernde Wirkung der Kataraktoperation.

Grauer Star und Autofahren – rechtzeitig zum Sehtest

„Frau/Herr Doktor, ich sehe noch völlig klar!“ Diese Überzeugung vieler Senioren, die erstmals seit ihrem Führerscheinerwerb für einen Sehtest beim Augenarzt vorstellig werden, erweist sich oft als trügerisch. Die objektiv gemessenen Visuswerte liegen nicht selten unter 50 Prozent. Die Empfehlung kann daher nur lauten, seine Augen auch ohne Druck vom Gesetzgeber ab dem fünften Lebensjahrzehnt in regelmäßigen Abständen prüfen zu lassen, um so gegebenenfalls einen möglichen Grauen Star feststellen zu können.

Straße im Nebel - Autofahren und Grauer Star

Grauer Star und Unfallrisiko: Nebelsehen und Blendempfindlichkeit

Bereits vor einigen Jahren haben Münchener Ophthalmologen ermittelt, dass die Sehschärfe von unfallbeteiligten Senioren im Vergleich zu einer Kontrollgruppe deutlich reduziert war. Während der Visus der unfallfreien Referenzprobanden durchschnittlich bei 1,05 lag, war er bei Verunfallten auf 0,8 und bei Verursachern von Überholunfällen sogar auf 0,75 reduziert. Doch wurde in dieser Analyse nicht zwischen den Ursachen für die Sehschwäche unterschieden. Die drei häufigsten Augenerkrankungen im reiferen Alter sind die Katarakt (Grauer Star), das Glaukom (Grüner Star) und die Altersabhängige Makuladegeneration (AMD). Einzig für die Katarakt – also die Linsentrübung durch auskristallisierende Eiweiße – gibt es mit dem chirurgischen Linsentausch (Kataraktoperation) eine Goldstandardtherapie, mit der eine annähernd vollständige Widerherstellung der Sehkraft erreicht werden kann. Oft liefert gerade das Autofahren jene kritischen Situationen, in denen sich Betroffene erstmals der Symptome eines fortschreitenden Grauen Stars bewusst werden. „Nebelsehen“ und verstärkte Blendempfindung durch Scheinwerfer entgegenkommender Fahrzeuge sind bereits späte Warnsignale, die unverzüglich den eigenverantwortlichen Augenarztbesuch nach sich ziehen sollten.

Kataraktoperation senkt Unfallrisiko: Studie mit über 560.000 „Senior-Fahrern“

Nicht zum ersten Mal, aber in ihrer Aussagekraft besonders deutlich, haben die Ergebnisse einer 2018 publizierten „In-vivo-Studie“ (die Lebensrealität abbildend) die Bedeutung der Kataraktoperation für die Erhöhung der Verkehrssicherheit unter Beweis gestellt. Ophthalmologen aus Toronto hatten fast 560.000 Autofahrer der Ü70-Generation über einen Zeitraum von dreieinhalb Jahren vor und einem Jahr nach deren Grauer Star-Operation untersucht. Mit hoher Signifikanz zeigte sich im Jahr nach dem Linsentausch eine Abnahme der Unfallhäufigkeit um 9 Prozent. Und dieser Wert bezieht sich allein auf jene Autounfälle mit schwerem, eine stationäre Notfallbehandlung des Fahrers erforderndem Personenschaden. Hätten auch jene Autounfälle ohne bzw. mit nur leichten Verletzungen des Fahrers sowie mit ausschließlichen Verletzungen Dritter und „Blechschäden“ Berücksichtigung gefunden, wäre der Wert vermutlich noch deutlich höher ausgefallen.

Kataraktoperation senkt Unfallrisiko: pro Jahr 200 schwere Autounfälle weniger

Was eine 9-prozentige Senkung der Häufigkeit von Autounfällen mit schwerverletzten Fahrern bedeutet, zeigt die aus der Studie abgeleitete Hochrechnung. Bei jährlich über 800.000 allein in Deutschland durchgeführten Kataraktoperationen ließen sich in der Bundesrepublik jedes Jahr etwa 200 schwere Verkehrsunfälle verhindern. Anders ausgedrückt kommt auf ca. 4.000 Linsentausch-Operationen ein schwerverletzter Fahrer weniger. Die logische Konsequenz kann nur lauten: Gehen Sie rechtzeitig auch ohne empfundene Sehschwäche – mit Beginn des fünften Lebensjahrzehnts zum Sehtest. Auf das eigene Empfinden ist kein Verlass. Durch die meist langsame Progression von Augenkrankheiten wie dem Grauen Star nimmt man die Verschlechterung der eigenen Sehschärfe oft erst in einem Stadium des deutlichen Visuverlustes wahr. Im Straßenverkehr endet das zu oft tragisch.

Kataraktoperation: der richtige Zeitpunkt

Als Betroffener ist es nicht einfach, den richtigen Zeitpunkt für eine Kataraktoperation zu finden. Wer gibt schon gern seine altgedienten körpereigenen Augenlinsen her – zumal man ja keine eigenen Erfahrungswerte mit einem Linsentausch haben kann. Aber wer Auto fährt, trägt Verantwortung und sollte sich rechtzeitig durch eine Augenuntersuchung die Frage beantworten lassen: Sehe ich noch gut genug, um beim Führen eines Fahrzeugs andere und mich selbst vor Schaden zu bewahren? Bei der Entscheidungsfindung für einen Linsentausch sind Sie nicht allein. Ihre alleinige Entscheidung ist aber der rechtzeitige Gang zum Augenarzt.

Kataraktoperation und Autofahren: die richtige Linse

Die modernen, im Tausch gegen die getrübten körpereigenen Augenlinsen implantierten  Intraokularlinsen (IOL) können heute durch hoch präzise Mess- und Fertigungstechnik so exakt berechnet und computergestützt gefräst werden, dass sich ihre Brechkraft hervorragend an die Erfordernisse des einzelnen Patienten anpassen lässt. Für die Kataraktoperation steht eine Vielzahl unterschiedlicher Linsenarten zur Verfügung. Die individuelle Auswahl richtet sich nach der Lebensweise des Patienten, seinen Erwartungen und etwaigen parallelen Augenerkrankungen, die mit einer geeigneten IOL gleichzeitig mit dem Grauen Star behandelt werden können.

Kataraktoperation und Autofahren: Fahrgewohnheiten und Linsentyp

Dem Wunsch nach weitgehender Brillenunabhängigkeit kann oft durch Einsatz einer multifokalen IOL oder einer Symphony-Linse, die scharfe Sicht im Fern-, Mittel- und Nahbereich möglich machen, entsprochen werden. Bei manchen multifokalen Linsentypen kann es aber vor allem nachts zu Photoeffekten wie erhöhter Blendempfindlichkeit, Lichthöfen (Halos), Strahlenkränzen (Starbursts) um Lichtquellen oder reduzierter Kontrastwahrnehmung kommen. Auch wenn spezielle multifokale Linsen (EDOF-Linsen, Blended-Vision) viele Lichteffekte wirkungsvoll zu reduzieren vermögen, sind sie nicht für jeden Autofahrer geeignet. Wer – etwa als Berufskraftfahrer – oft in der Dunkelheit auf Autobahnen unterwegs ist, benötigt eine andere (vielleicht monofokale) Lösung als ein Gelegenheitsfahrer, der nur tagsüber innerstädtisch oder auf Landstraßen sein Fahrzeug steuert.

In jedem Fall bedarf es einer exzellenten Beratung und eines erfahrenen Operateurs – am besten in „Personalunion“.

Kataraktoperation: die richtige Adresse

„Eine Operation ist eine Operation, ist eine Operation!“ Die Kataraktoperation ist eine der weltweit erfolgreichsten und mit sehr niedrigen Komplikationsrate gesegneten. Aber es gibt keine OP ohne Risiken, Einschränkungen und Ausschlusskriterien, über die jeder Patient frühzeitig aufgeklärt und demgemäß beraten werden muss. Zudem sollten Erfahrung und regelmäßige Praxis Ihres Chirurgen sowie ein zuverlässiges Team, das Sie von A(nfangsuntersuchung) bis Z(ielvisus) auf Ihrem Behandlungsweg begleitet, Grundlage für Ihr Vertrauen sein. Für keine Operation gibt es eine 100-prozentige Erfolgsgarantie. Aber auf die Erfahrung und die engmaschige Versorgung durch das Team der Augenärzte am Platz der Luftbrücke dürfen Sie setzen, wenn es um die Untersuchung und gegebenenfalls operative Versorgung Ihrer Augen geht. Die besondere Expertise im Bereich der Kataraktchirurgie sollte auch und gerade Autofahrer motivieren, nicht zu spät einen Untersuchungstermin bei „www.augen-arzt-berlin.de/online-terminvereinbarung“ zu vereinbaren.

By |20.12.2018|Categories: Allgemein|
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