Grauer Star – Warnzeichen erkennen

Vom Grauen Star (Katarakt) hat wohl jeder schon gehört und er erklärt sich irgendwie selbst: Ein Grauschleier vor den Augen lässt die Betroffen starren, um überhaupt noch etwas erkennen zu können. Aber diese Symptomatik spiegelt bereits ein weit fortgeschrittenes Stadium des Grauen Stars wider. Es gibt Frühwarnzeichen, die zwar keine sichere Eigendiagnose zulassen, aber als Signal gedeutet werden sollten, beim vertrauten Augenarzt vorstellig zu werden

Grauer Star – es trifft sehr viele

Nach der Alterssichtigkeit, die praktisch jeden ab dem fünften Lebensjahrzehnt ereilt, ist der Graue Star die häufigste Augenerkrankung des höheren Alters. Zwar gibt es auch jugendliche Formen der Katarakt, aber in der Regel macht sie sich als typischer Altersstar erst viele Jahre später als die Alterssichtigkeit deutlich bemerkbar. Ab dem siebenten Lebensjahrzehnt wachsen die Betroffenenzahlen deutlich. Die Augen über 80-Jähriger zeigen – mit unterschiedlichem Beeinträchtigungsgrad – zu über 90 Prozent die charakteristischen Zeichen einer Linsentrübung.

Grauer Star - Wie entwickelt sich die Katarakt und welche Symptome treten auf

Grauer Star – was passiert und warum?

Katarakt bedeutet Wasserfall, weil vom Grauen Star Betroffene ihre Umwelt wie durch einen Wasserfall wahrnehmen. In antiker Zeit glaubte man sogar, Gehirnflüssigkeit würde „herabfließen“, sich vor die Augen legen und so die Sicht vernebeln. Insofern müssten gemäß der Asterix-Lesern bekannten, ursprünglich aus der Bibel (Matthäus 5,3) stammenden Weisheit, „selig sind die geistig armen“ („beati pauperes spiritu“), all jene seltener am Grauen Star erkranken, die im Oberstübchen nicht gut bestückt sind. Das ist definitiv nicht der Fall. Aber im Ernst: Die genauen Auslöser der Katarakt, also warum sich im Seniorenalter langsam ein Grauschleicher vor die Augen legt, sind nicht geklärt. Was wir mittlerweile kennen, ist das biochemische Procedere, das die Linse eintrüben lässt.

Grauer Star – Augenlinse zeigt Auflösungserscheinungen

Alle Körpergewebe verlieren im Alter an Regenerationsfähigkeit. Schäden werden nicht mehr so gut repariert. Nach heutigem Stand der Alternsforschung scheint eine im Laufe des Lebens mit jeder Zellteilung vonstattengehende Verkürzung der sogenannten Telomere eine entscheidende Rolle zu spielen. Telomere sind „Schutzkappen“ an den Enden unserer Chromosomen, also sozusagen Protektoren unserer Gene. Sind die Telomere nach vielen tausend Zellteilungen aufgebraucht, werden unsere Gene „fehleranfällig“ und es beginnt einiges nicht mehr rund zu laufen. Tatsächlich haben Wissenschaftler bereits einzelne Gene identifiziert, deren Veränderung offenbar mit der Entwicklung des altersbedingten Grauen Stars (Altersstar) kausal in Verbindung stehen. Bestimmte Bausteine der Augenlinse – es geht um die Linseneiweiße – beginnen auszukristallisieren. Wie eine Milchglasscheibe verstellen sie den auf das Auge treffenden Lichtstrahlen den Weg zur Netzhaut und vernebeln die Sicht.

Grauer Star – Spiegelei in Zeitlupe

Wann der Graue Star seinen Schleier in das Sichtfeld zu legen beginnt, wie schnell er voranschreitet und ab wann er als störend empfunden wird, ist individuell sehr unterschiedlich. Man kann sich das bildlich wie das langsame Braten eines Spiegeleis vorstellen. Die ersten Sekunden ist das Eiweiß noch klar. Dann wird es trübe und final gänzlich undurchsichtig. Beim Grauen Star erfolgt das Auskristallisieren der Eiweiße über Jahre hinweg und es ist keine Hitze im Spiel, aber im Prinzip läuft es ganz ähnlich wie beim Spiegelei.

Grauer Star – nur Spätstadien äußerlich sichtbar

Ein manifester Grauer Star lässt sich sogar makroskopisch von außen am Augen erkennen. Typisch ist eine auffällige Weißfärbung in der Pupille. Allerdings ist dies Zeichen einer bereits weit fortgeschrittenen Katarakt, bei der das Sehvermögen schon auf 30 bis 20 Prozent reduziert ist. Die meisten Patienten bemerken die ersten deutlichen „Milchglassymptome“, wenn ihr Sehvermögen auf ca. 60 bis 50 Prozent vermindert ist. Dieser recht späte Zeitpunkt ist im langsamen Fortschreiten der Erkrankung begründet, die dem Gehirn eine gewisse Gewöhnung ermöglicht.

Grauer Star – welche Symptome können auf eine beginnende Katarakt hindeuten

Es ist also nicht gleich der graue Schleier vor den Augen, der Betroffenen den Hinweis auf eine beginnende Katarakt liefert. Es gibt eine Reihe von typischen Warnzeichen, die oft, aber weder eindeutig noch zwingend notwendig auf die Entwicklung eines Grauen Stars hinweisen. Dazu zählen:

> zunehmende Lichtempfindlichkeit

> verstärktes Blendungsempfindens

> veränderte Sehstärke, besonders bei bereits bestehender Fehlsichtigkeit

> verminderte Kontrastwahrnehmung

> gestörte Farbwahrnehmung

Grauer Star – zunehmende Kurzsichtigkeit

Die Verschlechterung einer bereits bestehenden Kurzsichtigkeit, die sich auch durch Neuanpassung der Brillengläser nicht zufriedenstellend ausgleichen lässt, ist eine besonders häufige Begleiterscheinung eines in Entwicklung befindlichen Altersstars.

Die für den Grauen Star namensgebende Sicht wie durch einen Grauschleier ist Symptom eines bereits so weit fortgeschrittenen Stadiums, dass es Betroffenen den Anstoß gibt, über eine Kataraktoperation nachzudenken.

Grauer Star – woran erkenne ich, ob eine beginnende Katarakt oder einer andere Störung vorliegt?

Wer an sich Veränderungen seines Sehvermögens bemerkt – sei es ein Schärfeverlust in einer oder mehrerer Distanzen, sei es erhöhte Blendempfindlichkeit, Kontrastverlust oder irgendetwas anderes, wird allein nicht in der Lage sein, seine Symptome „eigendiagnostisch“ einer beginnenden Katarakt oder einer anderen Augenerkrankung zuzuordnen. In jedem Fall sollte das Anlass für den Augenarztbesuch sein. Mit Spaltlampe oder anderen bildgebenden Verfahren kann er auch einen beginnenden Grauen Star identifizieren, lange bevor er makroskopisch von außen sichtbar wird. Frühzeichen einer Katarakt erkennt der Ophthalmodoc oft schon Jahre, bevor die typischen Grauschleiersymptome zum Tragen kommen. Das bedeutet keineswegs, dass unverzüglich eine Linsenaustauschoperation indiziert wäre. Aber es ermöglicht die Zuordnung entsprechender Frühsymptome und eine adäquate Behandlungsplanung.

Grauer Star – rechtzeitig zum Checkup

Auch wenn sich der alterstypische Graue Star meist erst ab dem 60. Lebensjahr mit dem typischen Schleier bemerkbar zu machen beginnt und mit über 70 oder 80 Jahren das Sehvermögen erheblich eingeschränkt, ist eine Früherkennung in vielfacher Hinsicht hilfreich. Die meisten Krankenkassen sträuben sich zwar gegen die Kostenübernahme. Aber ein regelmäßiger Augencheck ab dem 40. Lebensjahr kann im eigenen augengesundheitlichen Interesse nur befürwortet werden. Rechtzeitig erkannte Frühzeichen des altersabhängigen Grauen Stars sind sowohl im Hinblick auf nützliche Lebensstilanpassungen als auch in Vorausschau auf spätere augenchirurgische Interventionen wertvoll. Ohne adäquate Behandlung zählt der Graue Star zu den häufigsten Erblindungsursachen!

Grauer Star – der richtige OP-Zeitpunkt

Die frühzeitige Diagnose eines noch nicht als störend empfundenen Grauen Stars bedeutet keinen sofortigen augenchirurgischen Handlungsbedarf. Zwischen der Frühdiagnose und dem operativen Linsentausch liegen oft viele Jahre. Letztlich entscheiden der Leidensdruck des einzelnen Patienten, seine beruflichen wie privaten Anforderungen und natürlich nur vom Augenarzt zu beurteilende medizinische Faktoren über den geeigneten Zeitpunkt für eine Kunstlinsenimplantation. Aber es ist gut zu wissen, dass es mit der Kataraktoperation – dem Tausch der getrübten körpereigenen gegen eine künstliche Intraokularlinse (IOL)  – ein sehr bewährtes und ständig weiter optimiertes Goldstandardverfahren gibt, das dem Grauen Star den Schrecken der Erblindung nimmt. Den richtigen Zeitpunkt für den Eingriff zu finden, sollte immer ein „Joint Venture“ zwischen Patient und Augenchirurg, zwischen Erwartung und Machbarkeit sein. Den ärztlichen, versorgenden Part übernehmen die Augenärzte am Platz der Luftbrücke sehr gern und verlässlich. Den Weg in die Praxis und das Vertrauen in das Behandlungsteam müssen Sie aus eigenem Antrieb finden. Nur Mut!

By |14.01.2019|Categories: Allgemein|
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