Die Geschichte der Kontaktlinse ist länger als mancher vermuten mag. Die neueste Generation implantierbarer Kontaktlinsen (ICL) hat mit den Urmodellen wenig gemein, sowohl was den Tragekomfort als auch die Leistungsfähigkeit betrifft.

Implantierbare Kontaktlinsen (ICL) – der Wunsch nach Freiheit

„Oben ohne“ – das hat was! Ohne Brille ist natürlich gemeint. Allgemein ist der Wunsch nach scharfer Sicht ohne externe Sehhilfe nicht neu. Es gibt einfach Situationen, etwa beim Sport, beim Baden oder einfach nur bei schlechtem Wetter, wo selbst die beste Brille an ihre Grenzen stößt. Dabei wurde die Idee, (Kontakt)Linsen ins Auge zu setzen, schon früh geboren.

Oh Kontaktlinse – „wie haste Dir verändert“?

Lange vor der ICL heutiger Tage, schon im 17. Jahrhundert, experimentierten helle Köpfe mit Glaskolben und Gelatinegebilden herum, die sie erst tierischen Probanden und dann sich selbst vor die Augenlinse setzten. „Es ist mir gelungen, die fehlerhafte Hornhaut durch ein Glasschälchen mit dioptrischem Effekte auszuschließen und ohne Einschränkung des Gesichtsfeldes die Sehschärfe zu steigern“, verkündete Augenarzt Dr. Adolph Gaston Fick 1888. Die erste echte von ihrem Erfinder „Contactbrille“ genannte Kontaktlinse war geboren. Aus schwerem Glas mundgeblasen und nach heutigen Maßstäben riesig dimensioniert, wurde sie recht schmerzhaft unter die Augenlieder geschoben und mit einer Zuckerlösung fixiert. Länger als ein, zwei Stunden war das klobige Artefakt schwerlich zu (er)tragen, aber die Leistung verdient größten Respekt. Denn der Startschuss für eine Kontaktlinsenevolution bis zu den filigranen Hightech-ICL war gegeben.

ICL – was ist das genau?

ICL steht für implantable oder auch intraocular contact lens, also eine Kontaktlinse, die im Gegensatz zu den klassischen Wechsellinsen dauerhaft im Auge verbleibt, aber jederzeit (nur vom Augenarzt!) entfernt oder ausgetauscht werden kann.

ICL – Indikationen der implantierbaren Kontaktlinse

Das typische Einsatzgebiet der ICL sind hochgradige Fehlsichtigkeiten, welche die Möglichkeiten einer Laserkorrektur (LASIK) übersteigen. Insbesondere geht es um:

– Kurzsichtigkeit/Myopie bis etwa -18 Dioptrien

– Weitsichtigkeit/Hyperopie, (KEINE Altersweitsichtigkeit) bis etwa +10 Dioptrien

– Hornhautverkrümmung (Astigmatismus, Stabsichtigkeit) bis etwa +6 Doptrien

Auch jenen Patienten, die aufgrund zu geringer Hornhautdichte nicht für eine Lasik geeignet sind, kann durch einen ICL-Implantation zur Widererlangung hoher Sehkraft verholfen werden. Für hochgradig fehlsichtige Patienten mit ausreichend dicker Hornhaut ist im Bedarfsfall eine Kombination aus ICL-Einsatz und zusätzlicher Laserkorrektur möglich.

ICL – die Vorzüge einer implantierbaren Kontaktlinse

  • Da weder Hornhaut abgetragen oder ihre Krümmung verändert wird noch die körpereigene Linse entfernt/manipuliert wird, bleibt die natürliche Augenstruktur und ihre prinzipielle Akkommodationsfähigkeit (Nah-Fern-Einstellung) erhalten.
  • Mehrfachfehlsichtigkeit wie etwa die Kombination aus Kurzsichtigkeit und Hornhautverkrümmung lässt sich mit einer ICL ausgleichen.
  • Durch sehr präzise Vorabberechnung und individuelle Fertigung liefert der ICL-Einsatz überdurchschnittliche gute Ergebnisse.
  • Da die ICL nicht (wie konventionelle Kontaktlinsen) außen auf die Hornhautoberfläche gesetzt wird, sondern in die Augen-Hinterkammer zwischen der Iris und der natürlichen Augenlinse positioniert wird, entfällt das ständige Herausnehmen und Wiedereinsetzen. Das minimiert die Risiken für Reizzustände, Infektionen und auch für den Linsenverlust.
  • Der chirurgische Ersatz ermöglich eine präzise, „verrutschsichere“ Positionierung.
  • Ins Linsenmaterial eingearbeitete UV-Blocker bieten Sonnenschutz.
  • Die natürliche Benetzungsfunktion bleibt erhalten, d. h. eine ICL provoziert keine trockenen Augen.
  • Die ICL ist für den Dauereinsatz, also auf Langlebigkeit konzipiert. Dennoch ist der Einsatz voll reversibel, sodass späteren Sehkraftveränderungen mit einer ICL-Explantation oder einem Austausch Rechnung getragen werden kann. Auch nachträgliche Laserbehandlungen oder eine Katarakt-Operation sind möglich.

ICL – hohe Biokompatibilität der implantierbaren Kontaktlinse

Die IC-Linsenmaterial `Collamer´ (ein Kunstwort aus „Kollagen“ und „Polymer“) ist eine dem körpereigenen Struktureiweiß Kollagen ähnliche Verbindung. Dadurch ist die Bioverträglichkeit überdurchschnittlich hoch. Unverträglichkeiten oder allergische Reaktionen sind entsprechend selten.

ICL – wie und wo wird die Linse eingesetzt?

Auf Basis einer Voruntersuchung mit genauer Sehkraftbestimmung und hoch präziser Vermessung der Augen wird jede ICL individuell gefertigt. Die Implantation erfolgt in einem kurzen, ambulanten augenchirurgischen Eingriff. Sogenannte Hinterkammer-ICL wie die bei Augen-Arzt-Berlin am Platz der Luftbrücke mit großer Patientenzufriedenheit eingesetzte EVO Visian ICL (speziell für hohe Kurzsichtigkeit und Astigmatismus entwickelt) führt der Augenchirug mit speziellem Instrumentarium durch einen winzigen Hornhautschnitt  in die sogenannte  hintere Augenkammer zwischen natürliche Linse und Regenbogenhaut (Iris) ein. Eine besondere Fixierung ist nicht erforderlich, die individuelle Fertigung sorgt für sicheren Sitz. Auch der kleine Hornhautschnitt muss nicht vernäht werden. Er heilt gewöhnlich binnen kurzer Zeit von alleine ab. Für die ersten postoperativen Tage erhält jeder Patient genaue Verhaltensregeln sowie Kontrolltermine mit auf den Heimweg.

ICL –  Ausschlusskriterien – Risiken – Nebenwirkungen einer implantierbaren Kontaktlinse

ICL sind für höhergradig fehlsichtige Patienten konzipiert, bei denen noch keine Altersweitsichtigkeit und keine altersabhängige Augenerkrankung wie Grauer Star, Grüner Star oder AMD vorliegen. Das trifft vorwiegend auf Menschen im Alter zwischen 18 und 50 Jahren zu. Besondere anatomische Gegebenheiten und andere Erkrankungen können ebenfalls Ausschlusskriterien darstellen

Neben den für jede OP gegebenen Nachblutungs- und Infektionsrisiken sowie der nie ganz auszuschließenden Möglichkeit einer Abstoßungsreaktion, darf das mit einem ICL erhöhte Risiko für die spätere Entwicklung eines Grauen Star nicht verschwiegen werden.

ICL – Karatarktgefahr bei implantierbaren Kontaktlinsen?

Reibt eine ICL auf der natürlichen Augenlinse kann das eine Katarakt (Linsentrübung, Grauer Star) provozieren. Nach einer US-Studie aus 2008 entwickelten 1-2 Prozent der ICL-Träger eine OP-bedürftige Katarakt. Mittlerweile konnte dieses Risiko durch die Entwicklung der „Central-Flow-Technologie“ die einen freien Kammerwasserfluss ermöglicht, maßgeblich reduziert werden. Selbstverständlich verfügen die bei Augen-Arzt-Berlin implantierten EVO Visian-ICL über diese Technologie. Aber 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht.

ICL – immer individuell beraten

Eine OP ist eine OP und der ICL-Einsatz ist eine (wenn auch kleine) OP. Selbst mit dem besten Operateur und Material birgt jeder Eingriff Risiken. Zu deren Minimierung steht auch vor jedem ICL-Einsatz eine gründliche Voruntersuchung und umfassenden Patientenaufklärung. Hier lernt bei Augen-Arzt-Berlin jeder Patient seinen Chirurgen persönlich kennen, erfährt aus seinem Munde alles, was er wissen muss und wissen möchte, um dann gemeinsam die beste Strategie zu entwickeln.

ICL – nie so wertvoll wie heute

Wer beim Stichwort Kontaktlinse eher altbackene Assoziationen hegt, der irrt. Dank der rasanten Entwicklung implantierbarer Kontaktlinsen, welche die Vorzüge von Erhalt der natürlichen Augenstruktur, hohem Tragekomfort, „Wartungsfreiheit“ und hoher Leistungsfähigkeit bei niedrigem Nebenwirkungsprofil vereinen, zählen  ICL der neuesten Generation wie die von Dr. med. Bernhard Febrer Bowen eingesetzte Evo-Visian, zum Besten, was die Augenmedizin anno 2018 zu bieten hat.