Katarakt und Autofahren - Älterer Mann sitzt am Steuer eines Autos

Der Graue Star (Katarakt) ist eine sich über Jahre entwickelnde Krankheit. Den richtigen Zeitpunkt für den Linsentausch zu finden, ist nicht immer leicht. Um Menschen mit nachlassendem Sehvermögen das sichere Autofahren zu ermöglichen, bieten Autohersteller immer mehr elektronische Fahrerassistenzsysteme wie Abstands-, Spur- und Geschwindigkeits-Kontrollsysteme an. Aber reicht das aus, um von Katarakt, Glaukom oder AMD Betroffene sicher (für sich und andere) durch den Verkehr zu leiten und hat das womöglich Einfluss auf den Zeitpunkt oder gar die Entscheidung für eine Katarakt-Operation?

Grauer (oder Grüner) Star, AMD – trotzdem Auto fahren?

Jeder Mensch wird spätestens ab dem fünften Lebensjahrzehnt mit dem Nachlassen seiner Sehkraft konfrontiert. Zwischen Beginn des sechsten bis Mitte des achten Lebensjahrzehnts entwickeln rund 90 Prozent der Deutschen eine Katarakt. Die Hälfte der Betroffenen nimmt spätestens bei Erreichen des 75. Lebensjahres erhebliche Einschränkungen ihres Sehvermögens durch den Grauschleier vor ihren Augen wahr. Das Problem dabei: Da die Katarakt eine schleichend, sich über Jahre verstärkende Erkrankung ist, werden sich die meisten Betroffenen des Nachlassens ihres Sehvermögens erst viel zu spät bewusst. Da es in Deutschland – außer beim Führerscheinerwerb – keine verpflichtenden regelmäßigen Sehtests gibt, bringen viele Fahrzeugführer unbewusst sich und andere in Gefahr.

Grauer (oder Grüner) Star, AMD –Fahrerassistenz reichen nicht aus

Die Sicherheit von Menschen mit (bewusst oder unbewusst) eingeschränktem Sehvermögen im Straßenverkehr sowie die Sicherheit ihrer Mitmenschen war eines der Kernthemen auch dem 2018er Kongress der Deutschen Ophthalmologen. Der einhellige Tenor: Die mittlerweile von Autoherstellern verbauten Warnsysteme vor zu dichtem Auffahren, ungewolltem Spur- oder Geschwindigkeitswechsel, sind zwar prinzipiell zu befürworten. Sie reichen aber bei Weitem nicht aus, um die Verkehrssicherheit von Glaukom- oder Kataraktpatienten bzw. von anderen sehverminderten Personen und deren Mitmenschen zu gewährleisten.

Grauer (oder Grüner) Star, AMD – schon schlechtes Wetter problematisch

So sehr die Augenspezialisten den Nutzen der modernen Fahrerassistenzsysteme herausstellen, so nachdrücklich ist ihre Warnung, dass diese elektronischen Kontrollen bereits bei ungünstigen Sichtverhältnissen wie Nebel oder auch bei verblassten Fahrbahnmarkierungen an ihre Grenzen stoßen. Überdies können die Systeme oft nicht schnell genug auf plötzliche Änderungen der Verkehrssituation reagieren. Die DOG-Experten plädieren daher für mindestens zwei zusätzliche sicherheitsrelevante Techniken:

Das sind zum einen Nachtsichtkameras, von denen Fahrer mit eingeschränktem Dämmerungssehen und/oder erhöhter Blendempfindlichkeit profitieren und zum anderen elektronische Fahrbahnmarkierungen, die direkt an den Fahrzeugcomputer übertragen werden und somit witterungsabhängige Spurwechselgefahren reduzieren.

Katarakt-OP – Indikation und Zeitpunkt unabhängig von Assistenzsystemen

So sehr alle die Sicherheit erhöhenden Kontrollsysteme zu befürworten sind, haben auch die neuesten Entwicklungen der Fahrzeugelektronik keinen Einfluss auf die Indikation und den besten Zeitpunkt für die Katarakt–OP. Kein noch so leistungsfähiges Assistenzsystem kann die bestmögliche Sehkraft des Fahrers ersetzen. Im Sinne der eigenen Sicherheit und der seiner Mitmenschen kann nur eindringlich vor falschen Hoffnungen gewarnt werden. Zudem bedeutet Lebensqualität ja längst nicht nur Autofahren. Sport, Hobby, Beruf – alle Lebensbereiche sind vom Erhalt des Sehvermögens abhängig. Daher geht die erste Empfehlung zu eigenverantwortlichen Kontrolluntersuchungen der Sehkraft ab dem 40. Lebensjahr beim Augenarzt Ihres Vertrauens. Gerade die Früherkennung und Begleitung einer Katarakt-Entwicklung bietet genug Freiraum, den Therapieablauf in Ruhe zu planen. Der Entschluss, einen Grauen Star durch den chirurgischen Tausch der getrübten körpereigenen Augenlinse durch eine individuell auf die anatomisch-physiologischen Verhältnisse sowie die persönliche Lebenssituation adaptierte Kunstlinse (IOL) therapieren zu lassen, sollte immer ein von enger Kommunikation und Vertrauen getragenes „Joint venture“ zwischen Patient und Augenarzt sein. Fahrerassistenzsysteme bleiben da erst einmal außen vor.

Katarakt: OP vor Fahrzeugtechnik

Verlässliche Sicherheitstechnik im Straßenverkehr ist unbedingt zu begrüßen – sie hilft allen Verkehrsteilnehmern, darf aber nicht als Alternative zum bestmöglichen Sehvermögen gehandelt werden. Vor aller Fahrzeugtechnik steht die Augengesundheit. Und um die kümmert sich Augenarzt Berlin – von der Vorsorge bis zur Katarakt-OP.