Ein neues Jahr – wie geht es weiter mit dem, was 2018 große Themen waren? Digitalisierung und Künstliche Intelligenz auch und gerade in der Medizin gehören zweifelsfrei dazu. Deutschland zählt in diesem Bereich nicht gerade zu den Klassenbesten, was von vielen Seiten kritisiert wird. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) hat sich auf die Fahnen geschrieben, eine Vorreiterrolle bei der Nutzung von Big Data zu übernehmen – aber mit aller gebotenen Vorsicht. Wichtige Funktionen sind und müssen auch zukünftig eine Domäne der menschelnden Augenmedizin bleiben.

Künstliche Intelligenz in der Augenmedizin - Frau als Roboter

Augenmedizin: Von A(pp) bis Z(entralregister)

Apps für Patienten und Ärzte, Datenschutz, Vernetzung, Telemedizin, Künstliche Intelligenz, Robotik bei augenchirurgischen Eingriffen, bundesweites Zentralregister über alle Augenbehandlungen und Verläufe – die Digitalisierungspalette ist breit. Als abgegrenztes Fachgebiet, das sich bereits durch hoch präzise Bildgebung, High-Tech-Linsenimplantate und computerunterstützter OP-Technik auszeichnet, bringt die Augenmedizin beste Voraussetzungen, Digitalisierung voranzubringen. Doch bei all der motivierten Vorausschau darf der Kern jeder Zielsetzung nicht angetastet werden: das Patientenwohl! Nicht alles, was digitalisierbar ist, darf dem analogen ärztlichen, chirurgischen und pflegerischen Handeln entzogen werden. Mathematisch noch präziser heißt nicht automatisch besser für den Patienten. Gerade der Linsentausch – Goldstandard der Behandlung des Grauen Star (Katarakt) – ist von der Voruntersuchung über die Findung des individuell bestgeeigneten Linsenmodells bis zur Nachsorge ein Projekt, das ohne das menschliche und manuell-analoge Handeln eines erfahrenen augenchirurgischen Teams nicht denkbar ist.

Augenmedizin: Big Data

Der Aufbau eines selbstverständlich streng datengeschützt zentralen Augenregisters, in das niedergelassene und in Kliniken arbeitende Augenärzte pseudonymisierte Patientendaten zu Symptomen, angewendeten Behandlungsmethoden und Verläufen eingeben, könnte ein erster Schritt sein. Damit ließe sich ein riesiger Pool an ärztlichen Einzelerfahrungen einer zentralen Analytik zuführen, um beispielsweise zu eruieren, welcher Typ Intraokularlinsen (IOL) für einen Katarakt-Patienten mit bestimmten biometrischen Augendaten  besonders zuverlässige OP-Ergebnisse verspricht. Bei anderen Augenerkrankungen wie der Altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) oder dem Grünen Star (Glaukom) könnten besonders erfolgreiche Medikationsschemata ermittelt werden. In Australien, Teilen der USA, Großbritannien und Dänemark hat man bereits gute Erfahrungen mit so erhobenen Big Data in der Augenmedizin gemacht.

Augenmedizin: Algorithmen und KI

„Deep learning“ durch Künstliche Intelligenz (KI) ist auf dem besten Wege, Algorithmen für die Auswertung riesiger Datenmengen zu entwickeln, um beispielsweise besonders evidente Parameter für die Früherkennung von Augenerkrankungen – etwa einen Grauen Star oder ein Glaukom – zu identifizieren. Auch ist es über solche Algorithmen bereits gelungen, aus hochauflösenden Netzhaut-, Blutgefäß- oder Sehnervbildern spezifische Biomarker für schwerwiegende Allgemeinerkrankungen – etwa einen Bluthochdruck oder eine Arteriosklerose – herauszulesen. Damit kann der Augenarzt bereits frühzeitig Patienten mit entsprechenden Risiken erkennen und dem Fachkollegen zuführen, der seinerseits dank digitaler Vernetzung auf Doppeluntersuchungen verzichten könnte. Das spart in der Augenmedizin Zeit und Kosten für alle Beteiligten.

Augenmedizin: Individualität setzt der Digitalisierung Grenzen

Nach dem Gesetz der großen Zahlen wächst die Signifikanz jeder Analyse mit der Datenmenge. Aber ganz gleich wie sicher die per Künstlicher Intelligenz aus „Big Data“ ermittelten Werte auch sein mögen, im Behandlungszimmer oder auf dem OP-Tisch sitzt/liegt immer ein individueller Mensch, der selbst vom signifikantesten, digital eruierten Mittelwert immer mehr oder minder deutlich abweichen wird. Das gilt ganz besonders für jenen Bereich, der kaum digital erfassbar, aber für die Wahl der besten Behandlungsstrategie von größter Relevanz ist: die Psyche. Es um die von der Lebensweise des einzelnen Patienten abhängenden Hoffnungen und Erwartungen und deren Abgleich mit dem medizinisch/chirurgisch Machbaren. Alles, was sich nicht objektiv messen, in numerischen Werten abbilden oder in Binärcodes ausdrücken lässt, zeigt der Digitalisierung, der künstlichen Intelligenz und Automatisierung ihre Grenzen auf. Und wie soll es zukünftig im OP-Aussehen der Augenmedizin? Kann und ist er wünschenswert, dass etwa eine Kataraktoperation womöglich noch präziser und vom KI-gesteuerten „Roboter“ ausgeführt wird – mit dem Ophthalmologie-Informatiker im Hintergrund?

Augenmedizin: „Medicus humanus“ ist unersetzbar

Wie wichtig bei aller Technik der persönliche Kontakt zu einem vertrauen Arzt ist, hat eindrucksvoll eine kürzlich veröffentlichte Analyse der ´Medical School University of Exeter´ (GB) gezeigt. Die Wissenschaftler werteten 22 zwischen 1996 und 2017 publizierte Studien aus neun europäischen, amerikanischen und asiatischen Ländern aus. Das herausragende Ergebnis:

„Der persönliche Arzt-Patienten Kontakt ist „potenziell lebensrettend!“ und das gilt über alle medizinischen Fachbereiche und Kontinente hinweg. Im Einzelnen zeigte sich mit deutlicher statistischer Signifikanz, dass der persönliche Kontakt zum vertrauten Arzt dem Patientenwohl in mehreren relevanten Punkten zugutekommt:

  • höhere Patientenzufriedenheit
  • höhere Adhärenz (Therapietreue, Befolgen der verordneten Medikation und Verhaltensvorgaben)
  • niedrigere Komplikations- und Mortalitätsraten

Beispiel Kataraktoperation: Computer-aided-Design

Der Computer kann und darf den gut ausgebildeten Augenchirurgen nicht ersetzen. Das gilt für den gesamten perioperativen Bereich der individuellen Aufklärung und Beratung, dem situationsbedingten intraoperativen Handeln und der fürsorglichen postoperativen Betreuung in der Augenmedizin. Wenn es um Früherkennung, um Diagnoseabsicherung, um Abgleich von Erfahrungswerten in der Medikation, um interdisziplinäre Vernetzung und besonders um die Präzision in der Linsenfertigung geht, kann Digitalisierung die Patientenversorgung verbessern und dabei Ärzten und Pflegepersonal mehr Freiräume für den persönlichen Patientenkontakt schaffen.

Augen-Arzt-Berlin: Es bleibt menschlich!

Ob Datenbanken, KI-Algorithmen oder Robotik – all diese Systeme können den Arzt in der Augenmedizin bei der Diagnostik und Therapie unterstützen. Aber die ärztliche Erfahrung, kritische Entscheidungsfähigkeit und empathische Patientenberatung kann keine „unbeseelte“ Technologie ersetzen.

Die Bedeutung zwischenmenschlicher Faktoren in der Patientenversorgung darf in der zunehmend digitalisierten Medizin nie verloren gehen. Die Nachteile einer „entmenschten“ Versorgung in der Augenmedizin können selbst durch die perfekteste Robotik nicht annähernd ausgeglichen werden.

Die Augenärzte am Platz der Luftbrücke setzten dort auf modernste Technik und digitale Unterstützung, wo sie in der Diagnostik, bei der Therapieplanung und im OP dem Patienten zugutekommt. Aber der augenmedizinische Grundsatz von Dr. Febrer Bowen und seinem Team, „wir behandeln keine isolierten Augen, sondern „Menschen mit persönlichen Hoffnungen und Erwartungen“ wird bei Augen-Arzt-Berlin immer oberste Priorität genießen.