Auch Augengesundheit geht durch den Magen! Als regelmäßige Leser unserer Blogbeiträge sind Sie bereits über die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung für die Gesundheit Ihrer Augen informiert. Um die Identifizierung gesunder Lebensmittel zu vereinfachen, debattieren Politik, Ärzte- und Verbraucherorganisationen seit „gefühlten Ewigkeiten“ über die Einführung einer verbraucherfreundlichen Lebensmittelkennzeichnung. Nun soll eine Entscheidung her und zwei Kennzeichnungsmodelle kämpfen final um die deutschlandweite Einführung: die „Nährwertampel Nutri-Score“  und der „Wegweiser Ernährung“. Nur einer kann gewinnen – welches Modell ist Ihr Favorit?

Lebensmittelkennzeichnung

Augengesunde Lebensmittel: Nicht gut für den Körper, nicht gut für die Augen

Wer den Diskurs um die Einführung einer Lebensmittelkennzeichnung verfolgt hat, wird in den Argumentationslinien eher selten auf das Thema Augengesundheit gestoßen sein. Im medialen Fokus stehen andere, in der Tat beängstigende Folgen ungesunder Ernährung, die besonders im Verbund mit zunehmend immobiler Lebensweise bereits bei Kindern und Jugendlichen die Raten von Herzkreislauf- und Stoffwechselerkrankungen ansteigen lassen. Deutschland bzw. alle heutigen Industrienationen haben ein „dickes“ Problem –  mit Übergewicht, Adipositas und ernährungsbedingtem „Alters“-Diabetes schon bei Jugendlichen. All das schädigt die Blutgefäße – auch jene sehr feinen der Augennetzhaut. Bei gesunder Ernährung geht es nicht „nur“ um Prävention vor lebensverkürzenden Krankheiten, es geht auch um Augenvorsorge!

Augengesunde Lebensmittel: Gut für den Körper, gut für die Augen

Was die Sache vereinfacht, es sind die gleichen Nähr- und Inhaltsstoffe, die in ausgewogener Dosierung verzehrt bzw. besser gemieden werden sollten, um seinem Herz-Kreislauf-System, seinen inneren Organen und eben den Augen Gutes zu tun. Es bedarf also keiner Unterscheidung zwischen augengesunder und „restkörpergesunder“ Ernährungsweise.

Weitgehender Verzicht auf hoch verarbeitete Nahrung besonders aus der „Fertiggerichteküche“! Hier lauern die Gefahren maßlos überhöhter, die Blutgefäße schädigender Zucker-, Salz- und Fettgehalte. Besonders negative Wirkungen gehen von Flüssigem aus. Zucker- und Kalorienbombenbombe Nr. 1 sind Softdrinks von der Cola-, Limo- und Energydrink-Theke. Aber wenden wir uns lieber dem Gesunden zu: Möglichst naturbelassene Lebensmittel mit gesunden Omega-3-Fettsäuren (Fisch, ausgewählte Pflanzenöle), natürlich Gehalte an (augenfreundlichen) Vitaminen in der bunten Vielfalt an Gemüse- und Obstsorten sowie hochwertige Proteine aus unbelasteten pflanzlichen und tierischen Eiweißquellen. In bedarfsgerechter Verzehrdosis tut das dem Körper und den Augen gut.

Augengesunde Lebensmittel: Was steckt drin?

Die Nahrungsmittelindustrie ist „tricky“:  Ein Fitness-Label auf der Verpackung von zu über 40 Prozent aus purem Zucker bestehenden Frühstückscerealien, ein „Light“ auf Fruchtjoghurts, die zwar wenig Fett, aber pro handelsüblicher 250g-Portion über 25 Gramm reinen Zucker liefern oder das Sportstarfoto auf der Salami, die mit der 100g-Portion mal eben mit 40 Gramm triefend gesättigtem Fett die Blutgefäße attackiert. Wir wollen keinen Dogmatismus und daher ist es kein Problem, sich das alles gelegentlich zu gönnen. Aber es sollte in dem Bewusstsein passieren, dass wir es hier nicht mit „massentauglicher“ Nahrung für den täglichen Verzehr zu tun haben. Genau das gaukeln uns viele Lebensmittelhersteller – egal ob aus der omnivoren, veganen oder „Superfood“-Szene – vor.

Augengesunde Lebensmittel: Besondere Fallstricke

Die Alltagserfahrung zeigt, dass viele Menschen weder Zeit noch Lust haben, beim Einkauf erst die auf jeder Verpackung (meist sehr klein) gedruckten Nährwert- und Inhaltsstofftabellen zu studieren. Zudem wird auch hier getrickst. Welcher Normalsterbliche kennt sich mit E-Nummern und Zusatzstoffbezeichnungen aus und wer weiß schon, dass sich hinter der Bezeichnung „Fruchtsüße“ oder „ohne Kristallzuckerzusatz“ in der Regel der Massenzusatz von billigem industriell gefertigtem Fruchtzucker (Überschüsse wandelt die Leber direkt in Fett um) versteckt? Ganz besonders verfänglich wird es bei Produkten, die grundsätzlich gesund sind, bei denen aber eine „Mengenfalle“ lauert. Nüsse sind wirkliche, natürliche „Superfood“ – zuckerfrei mit viel hochwertigem Eiweiß und noch mehr (augen)gesunden Fettsäuren. Qualitativ eine „1 mit Sternchen“! Die Gefahr ist eine quantitative. In 100 Gramm – einer für viele überraschend kleinen Menge -, die nebst einigem anderem schnell beim „Sportschau-Gucken“ im Mund verschwindet, stecken an die 700 Kilokalorien, rund ein Drittel der Energiemenge, die ein schreibtischtätiger Mann am ganzen Tag benötigt.

Klassiker der „Gesund-bedenklich-Ambivalenz“ sind die 100%-Fruchtsäfte. Tatsächlich ohne externen Zuckerzusatz aus natürlichen Früchten gepresst, lauert die Tücke im süßen Detail. Wer direkt Obst verzehrt, isst einen Apfel, eine Orange, vielleicht auch beides – dann ist er aber satt. Wer nur ein 200ml-Glas puren Orangen-, Apfel oder Traubensaft trinkt, verzehrt ohne satt zu werden(!) die aufkonzentrierte Flüssigkeit aus der fünf- bis sechsfachen Obstmenge, die er im festen Zustand essen würde. Ein solches Glas O- oder A-Saft enthält über 20 Gramm Fruchtzucker (!) – natürlichen zwar, aber dies ist ein Zucker- und Kalorienbombardement, dass ziemlich genau dem von Cola, Limo und Co. entspricht (ca. 90kcal / 200ml-Glas). Bei Traubensaft ist es mit ca. 30 Gramm Zucker pro 200ml (ca. 120kcal) noch dramatischer. Bei den aktuell so gehypten „Smoothies“ sieht es keinen Deut besser aus, zumal die meisten noch mit extra Zucker versetzt sind. Aber der Blick auf die „sportliche“ Verpackung verheißt Gesundes – reinster Schmu!

Augengesunde Lebensmittel: Spagat zwischen Qualität und Quantität

Die besondere Herausforderung für eine Lebensmittelkennzeichnung lautet: Wie soll man qualitativ hochwertige Nahrung wie Nüsse oder bestimmte Pflanzenöle bewerten, die wegen sehr hoher Energiegehalte („Kalorienbombe“) nur in sehr moderater Menge verzehrt werden sollten. Ein „grün“ könnte als Freifahrtschein für Verzehr in großer Menge fehlgedeutet werden. Die jetzt um Einführung wetteifernden Kennzeichnungssysteme werben mit „ausgeklügelten wissenschaftlichen Algorithmen, die den „Qualität-Quantität-Spagat“  gelöst haben wollen. So nehmen beide keine „Gut-mittel-böse“-Dreiteilung gemäß der Ampelfarben grün, gelb und rot vor, sondern kennzeichnen nach einem 5-stufigen System. Beim Nutri-Score sind das fünf grün-gelb-rote Farbabstufungen, beim Wegweiser Ernährung zwischen fünf und einem Stern(e).

Augengesunde Lebensmittel: Erwartungen nicht zu hoch schrauben

Wie aussagekräftig kann ein solches Kennzeichnungssystem sein? Beide Systeme berücksichtigen als Negativa hohe Zucker-, Fett- und Salzmengen. Auf der Positivseite fließen Obst-, Gemüse-, Nuss- und Ballaststoffanteile in die Bewertung ein. Für die Inhaltsstoffe werden Punkte vergeben, die sich zu einer Gesamtzahl addieren. Einiges, hoch Relevantes wie  Vitamine, Mineralstoffe oder ungesättigte Fettsäuren bleiben unberücksichtigt. Vor allem aber gibt es gibt keinerlei Mengenempfehlungen. Mit der Frage, wie viel von dem grünen bzw. 5-Sterne-Produkt sollte ich essen, bleibt der Konsument allein. Zudem könnten Gerichte die sehr Gesundes mit sehr Bedenklichem kombinieren in der Bilanz zu gut abschneiden. Egal welche Kennzeichnung sich durchsetzt, die Lösung aller Über- und Fehlernährungsprobleme wird sie nicht sein, aber vielleicht doch ein wichtiger Impuls, die Menschen für eine bewusstere Lebensmittelauswahl zu sensibilisieren.

Augengesunde Lebensmittel – Was wollen die Konsumenten?

Der gravierende Unterschied zwischen Nutri-Score und Wegweiser liegt in der visuellen Wahrnehmung. Die Vertreter der Nutri-Score-Ampel präsentierten jüngst die Ergebnisse einer repräsentativen Forsa-Umfrage. Demnach wird Ihr System von einer  deutliche Mehrheit insbesondere jener Bevölkerungsteile favorisiert, die über einen niedrigen Bildungsabschluss verfügen und von starkem Übergewicht sowie fehlernährungsbedingten Erkrankungen betroffen sind. Das farbige Ampelsystem sei vor allem auffälliger, leichter zu verstehen und motiviere eher zu Kauf bzw. Nicht-Kauf.

Die Minorität der Befürworter des Klöckner´schen „Wegweisers Ernährung“ rekrutieren sich eher aus höher gebildeten, seltener von Übergewicht betroffenen Kreisen. Hier schätzt man die detaillierteren Nährwertinformationen.

Grafik: Mehr als zwei Drittel der befragten Verbraucherinnen und Verbraucher bevorzugen die Nutri-Score-Ampel. Für das Modell von Ernährungsministerin Julia Klöckner, den „Wegweiser Ernährung“, entschied sich hingegen nur jeder vierte Befragte.

Augengesunde Lebensmittel – Auslandserfahrung

Aus Ländern wie Frankreich, Belgien und Spanien, die bereits eine der Nutri-Score-Ampel entsprechende Kennzeichnung eingeführt haben, wird von positiven Erfahrungen, d. h. von einem veränderten Kaufverhalten berichtet. Aber die grün-gelb-rote Farbskala trifft nach wie vor auf wenig Gegenliebe bei Ernährungs- und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und diversen Lebensmittelproduzenten, Die Ministerin bevorzugt weiterhin ihren selbst in Auftrag gegebenen „Wegweiser-Ernährung“, der nach Art von Hotel-Bewertungen bis zu 5 Sterne vergibt und zudem die Gehalte von Fett, Zucker, Salz und Kalorien aufführt.

Augengesunde Lebensmittel – Nachhaltig oder Fitnessstudio-Effekt?

Es muss sich etwas ändern am Ernährungsverhalten. Adipositas und ernährungsbedingte Folgekrankheiten nehmen immer weiter zu. Auch die Augengesundheit leidet. Die jetzt jugendliche Generation ist immer stärker von Kurzsichtigkeit betroffen, vor allem eine Folge von „Smartphonism“ und Bewegungsarmut. Im Verbund mit gegenwärtigen Ernährungsgewohnheiten ist zu befürchten, dass diese Jungen von heute auch verfrüht unter altersabhängigen Augenerkrankungen leiden werden, wenn jetzt nicht gegengesteuert wird. Dabei ist gesunde Ernährung sicher nur ein Puzzleteil – aber eine wichtiges. Hier stellt sich nun die Frage:  Wie nachhaltig kann die „Ampelwirkung“ einer Lebensmittelkennzeichnung sein? Die nur kurze Zeiträume erfassenden Studien aus Ländern, die bereits eine Ampel eingeführt haben, können keine Antwort liefern. Wir alle kennen den „postweihnachtlichen Fitnessstudioeffekt“. Wenn Weihnachtsgans und Plätzchenflut im Magen liegen und der Neujahrssekt direkt auf die Hüften geht, freuen sich Fitnessstudiobetreiber über enormen Zulauf. Doch spätestens im Februar sinkt das Ganze wieder unter das Ausgangsniveau – „same procedure as every year“, wie „Dinner-for-One-Miss Sophie“ stets verkündet. Dauerhafte Wirksamkeit ist das größte Problem aller Errungenschaften und so ist auch die positive Erwartung an den wie auch immer gestalteten Lebensmittelscore ein ungewisse. Aber der Versuch ist es wert!

Augengesunde Lebensmittel – Druck auf Hersteller

Vielleicht geht die größte Hoffnung in Richtung Lebensmittelindustrie. Wenn sich hier die Verantwortlichen durch „roten“ Ampeldruck genötigt sähen, endlich weniger Zucker, Fett, Geschmacksverstärker und diverse „E-Zeugs“ zu verarbeiten, wäre sehr viel gewonnen und Last von den jetzt getäuschten Konsumenten genommen.

Augengesunde Lebensmittel – Eigeninitiative gefragt

Egal wie die „Causa Lebensmittel-Kennzeichnung“ ausgeht, achten Sie am besten von sich aus ein wenig mehr auf Ihre Ernährung und lassen Sie auch Ihre Augen mal durchchecken. Denn deren Gesunderhaltung wird in der medialen Präsenz eher stiefmütterlich behandelt – unverständlich in Anbetracht einer 80-prozentigen Umweltwahrnehmung durch unsere Sehorgane. Leider wissen wir diese erst richtig wertzuschätzen, wenn ihre Leistung merklich nachlässt. Dann ist aber meist schon ein mehrjähriger Prozess in Gang, der durch früheres Gegensteuernd abzubremsen gewesen wäre. Ergo: Wenn Sie um die 40 sind, sollten Sie auch ohne Sichtprobleme und mit gesunder Ernährung an ein Augen-Checkup denken. Ist alles in Ordnung, sind Sie beruhigt. Sollte etwas im Anflug sein, erhalten Sie wertvolle „To-do-Empfehlungen“. Wie hieß das Früher? „Vorsorge ist besser als heilen“! Für beides sind Sie bei den Augenärzten am Platz der Luftbrücke gut aufgehoben.