Die Polizei gehört mit über 100.000 jährlichen Bewerbern zu den beliebtesten Arbeitgebern in Deutschland. Viele Bundesländer haben die Zahl ihrer Ausbildungsplätze in den letzten Jahren deutlich erhöht, um dem bestehenden Personalmangel zu begegnen. In Berlin gab es 2018 dreimal so viele Ausbildungsplätze wie vor 10 Jahren. Unverändert scharf sind die gesundheitlichen Anforderungen, die für die sogenannte Polizeidiensttauglichkeit erfüllt sein müssen. Neben bestimmten Vorgaben an die physische und psychische Gesundheit, gibt es klar bezifferte Anforderung für das Sehvermögen. Dennoch bestehen unter potenziellen Bewerbern oft Unsicherheiten, welche Sehschwächen untauglich machen und welche augenärztlichen Korrekturen eine Bewerbungschance eröffnen.

Polizeidienst und Augen – Bundes- versus Länderebene

Mit Ausnahme der Bundespolizei, ist die Polizei in Deutschland Ländersache, d. h. jedes einzelne Bundesland stellt an seine Bewerber eigene Auswahlkriterien, die sich aber insgesamt recht ähnlich sind. Hinsichtlich der Augengesundheit gibt es aber bundeseinheitlich geregelte Vorgaben, festgeschrieben in der Polizeidienstverordnung 300 (PDV 300).

Polizeiauto mit Aufschrift Polizei - Polizeidiensttauglichkeit Augenärzte am Platz der Luftbrücke

Polizeidienst und Augen – PDV 300

Die in der PDV 300 aufgeführten „Anforderungen an die Sehfähigkeit für den Polizeivollzugsbeamten“ – so heißt das offiziell – unterscheiden zwischen strikten Ausschlusskriterien und bestimmten Beeinträchtigungen, die durch eine augenärztliche Behandlung soweit minimiert/beseitigt werden können, dass die Diensttauglichkeitsvoraussetzungen erfüllt sind. So bedeutet etwa das Tragen einer Brille keine generelle Ablehnung, sofern auch ohne die Sehhilfe ein bestimmtes Sehvermögen gegeben ist. Auch Laserkorrekturen von Weit,- Kurz- oder Stabsichtigkeit sind zulässig, wenn dadurch definierte Vorgaben stabil erreicht werden.

Polizeidienst und Augen – strikte Ausschlussfaktoren

Der Polizeidienst umfasst Tag- und Nachteinsätze, situatives Handeln unter verschiedensten, mitunter schnell wechselnden Licht- und Witterungsbedingungen und gegebenenfalls auch körperliche Konfrontationen. Beeinträchtigungen des Sehvermögens, die über ein bestimmtes Maß hinausgehen oder therapeutisch nicht hinreichend zu kontrollieren sind, werden diesen hohen Anforderungen nicht gerecht und sind daher aus Gründen der Eigensicherheit der Beamten und möglicher Fremdgefährdung á priori klare Untauglichkeitskriterien. Dazu zählen:

  • Irreparable Missbildungen oder Defekte an Augapfel, Augenmuskeln (auch Lähmung), Augenlidern, Tränenorganen, Hornhaut oder innerem Auge.
  • Augenkrankheit, die chronisch ist oder zu Rückfällen
  • Schielen
  • pathologischer Nystagmus (unkontrollierbares Augenzittern)
  • Augendruckerhöhung über 20 mmHg
  • Augenerkrankungen, die die Benutzung von Kontaktlinsen oder Intraokularlinsen
  • Sehschärfe ohne Brille vor augenärztlicher Korrektor beträgt auf einem Auge < 50 % (vor 20. Lebensjahr; Gilt auch, wenn die Sehkraft des gesunden Auges 100 % beträgt!) bzw. < 30 % (nach 20. Lebensjahr; Gilt auch, wenn die Sehkraft des gesunden Auges 100 % beträgt!)
  • Sehschärfe mit Brille bzw. nach augenärztlicher Korrektur beträgt auf einem Auge < 80 % (Gilt auch, wenn die Sehkraft des gesunden Auges 100 % beträgt)
  • Weitsichtigkeit >2,5dpt auf einem oder beiden Augen
  • „Astigmatische Komponente“ – d. h. Vorliegen von Weit- oder Kurzsichtigkeit PLUS Stabsichtigkeit (Astigmatismus) – beträgt insgesamt mehr als +/-2,5 Dioptrien
  • Unterschied der Fehlsichtigkeit beider Augen (Anisometropie) größer als +/-2,5 Dioptrien
  • unzureichendes räumliches Sehen
  • herabgesetzte Dämmerungssehschärfe
  • erhöhte Blendungsempfindlichkeit
  • Gesichtsfeldeinschränkung schon auf einem Auge
  • Rot-Grün-Blindheit u. a. Farbensinnstörungen
  • Zustand nach refraktionschirurgischem Eingriff mit unklarer Prognose

Polizeidienst und Augen – numerische Unschärfen

Die Auflistung der Ausschlusskriterien zeigt, dass es für einige Sehbehinderungen klare numerische Vorgaben wie definierte Prozentwerte für die Sehschärfe oder ein 2,5dpt-Limit für Kurz-, Weit-, Stabsichtigkeit gibt. Für andere Beeinträchtigungen wie Blendungsempfindlichkeit oder Sehen bei reduzierter Lichtstärke gibt es das nicht. Dies führt bei Polizeidienstanwärtern nicht selten zu Irritationen. Es bedeutet aber nicht anderes als die Notwendigkeit der Augenuntersuchung und Befundung des Gesamtsehvermögens durch einen Augenarzt, der die Voraussetzungen zur Erstellung von Tauglichkeitsgutachten erfüllt (s. u. „nicht jeder Augenarzt“).

Polizeidienst und Augen – Augen-OP kein prinzipielles Ausschlusskriterium

Noch mehr Unsicherheit verursacht gewöhnlich der als striktes Ausschlusskriterium in der PDV 300 aufgeführte Passus, „Zustand nach refraktionschirurgischem Eingriff mit unklarer Prognose“. Was ist damit gemeint? Zunächst einmal bedeutet es, dass einzig jene Interessenten generell ausgeschlossen, werden, die nicht auf beiden Augen eine natürliche Sehstärke von über 30 %  bzw. über 50 % aufweisen. Für alle anderen, die über diesem Minimum liegen, aber die geforderten 80 % natürliche Sehkraft nicht erreichen, bedeutet es aber keine grundsätzliche Untauglichkeit. Wenn das vorgeschriebene Mindestsehvermögen – also mindestens 80 % Sehkraft auf jedem Auge und höchstens 2,5 dpt Gesamtfehlsichtigkeit – durch einen augenchirurgischen Eingriff (z. B. eine LASIK) erreicht wird, ist die Polizeidiensttauglichkeit gegeben.

Polizeidienst und Augen – Was heißt „unklare Prognose?“

Die als strenges Ausschlusskriterium genannte „unklare Prognose“ nach einem augenchirurgischen Eingriff fußt auf der Erfahrung, dass mögliche, nachträglich die Sehkraft mindernde  Komplikationen in der Regel während der ersten postoperativen Monate auftreten. Daher schreibt die PDV 300 vor, dass zwischen einer im Ergebnis erfolgreichen Augen-OP/Laserbehandlung und der Bewerbung zum Polizeidienst eine mehrmonatige Karenzzeit liegen muss.  In manchen Bundesländern beträgt diese Sperrfrist sechs Monaten. Andere Bundesländer fordern mindestens ein Jahr zwischen (Laser-)OP und Bewerbung.

Polizeidienst und Augen – nicht jeder Augenarzt

Da der Sehtest für die polizeiliche Diensttauglichkeit eine vorgegebene DIN-Norm erfüllen muss und nur Test-/ Prüfgeräte nach den Empfehlungen der „Kommission für Qualitätssicherung sinnesphysiologischer Untersuchungen und Geräte“ der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft verwendet werden dürfen, verfügen längst nicht alle Augenarztpraxen über die erforderlichen Untersuchungs- und Befundungsmöglichkeiten. Gerade nach augenchirurgischen Eingriffen, dient der Befund des Operateurs als Nachweis für die spätere, unabhängige polizeiärztliche Untersuchung.

Polizeidienst und Augen – alles unter einem Dach

Sollten Sie sich für eine Polizeilaufbahn interessieren, sind Sie bei den Augenärzten am Platz der Luftbrücke an der richtigen Adresse, um Ihre Augen gemäß den in der PDV 300 festgehaltenen Anforderungen an die Sehfähigkeit für den Polizeidienst untersuchen und gegebenenfalls zielführend behandeln zu lassen. Und denken Sie dabei bitte an die Sperrfristen. Eine frühzeitige Untersuchung mit im Bedarfsfall zeitnaher augenchirurgischer Behandlung bewahrt Sie vor der Enttäuschungen, nur wegen einer noch nicht verstrichenen Sperrfrist abgelehnt zu werden.