Die individuelle Versorgung von augenärztlichen Patienten konnte durch ein deutlich erweitertes Angebot an implantierbaren multifokalen Intraokularlinsen (sogenannte Premium-IOL) in den letzten Jahren maßgeblich verbessert werden. Für Laien ist es nicht einfach, den Überblick zu wahren. Konkret muss die Eignung für eine augenchirurgische Kunstlinsenimplantation und die Auswahl der für den Einzelnen geeigneten Linse immer in einer gemeinsamen Therapieplanung mit dem Augenchirurgen erfolgen. Als Vorab-Orientierungshilfe finden Sie im Folgenden eine kleine Typologie moderner Premium-IOL.

Premium-IOL – gute Sicht für die „jungen Alten“

Mit der in den letzten Dekaden unverkennbar gestiegenen Vitalität der höheren Altersgruppen sind auch die Bedürfnisse für den Erhalt hoher Sehkraft im Alter gewachsen. Smartphone und Tablet haben sich binnen weniger Jahre vom „Spielzeug der Digital Natives“ zum generationsübergreifenden Begleiter des Jetztmenschen entwickelt. Der geschärfte Blick auf den Smartscreen ist für die Ü70er von heute zur wichtigen Alltagsmaßnahme für Kommunikation und Informationsbeschaffung geworden. Aber auch das Auto- und Radfahren sowie andere sportliche Aktivitäten verlangen nach gutem Sehvermögen in allen Distanzen bis ins hohe Alter.

Premium-IOL - Die Linsentypen im Vergleich

Premium-IOL – Lebensstil bestimmt die Linse und nicht umgekehrt

War es in frühen Jahren der Linsenaustauschchirurgie erforderlich, dass die Patienten ihren Lebensstil an die monofokale Leistung der erhaltenen Linsenimplantate anpassten, so macht es die breite Palette verfügbarer Premiumlinsentypen heute möglich, die Linsen nach den Erwartungen und dem Lebensstil jedes individuellen Patienten auszuwählen.

Premium-IOL – weitgehende Brillenunabhängigkeit

Im Gegensatz zu herkömmlichen, mit nur einem Brennpunkt (monofokal) ausgestatteten Standard-IOL ermöglichen multifokale Premiumlinsen scharfe Sicht in mindestens zwei (bifokal) oder sogar drei (trifokal) Sehbereichen (Nah-, Mittel- und Fernsicht). Mit den Premium-IOL erlangen so viele Patienten bis ins hohe Alter weitestgehende Unabhängigkeit von externen Sehhilfen wie Brille oder Kontaktlinse. Durch spezielle Schlifftechnik werden mittlerweile Premium-IOL in HD-Qualität und mit Sonderfunktionen gefertigt, die störende Nebeneffekte wie Halos und Lichtkränze um Leuchtquellen minimieren.

Premium-IOL – von Katarakt bis Astigmatismus

Nicht nur als Austauschlinsen für Kataraktpatienten mit getrübter körpereigener Augenlinse gibt es heute multifokale Premiumlösungen. Durch Klarsichtlinsentausch (CLE) kann auch stark weit- oder kurzsichtigen Patienten unter Berücksichtigung individueller Parameter geholfen werden. Und sogar für Astigmatismus (Hornhautverkrümmung/Stabsichtigkeit) und einige Netzhauterkrankungen sind Speziallinsen verfügbar. Zudem bieten die Add-On-Technologie sowie phake IOL die Möglichkeit, Zusatzlinsen vor die Hauptlinse zu implantieren, um deren Brechungsfehler zu korrigieren.

Premium-IOL –  typologische Übersicht

Aus dem variantenrechen Spektrum moderner Premium-IOL kann im Folgenden nur ein unvollständiger Einblick in die verfügbare Formenvielfalt gegeben werden. Individuell berechnet lassen sich Premium-IOL heute unter anderem mit folgenden Eigenschaften fertigen

  • asphärisch – für Kataraktoperation oder Klarlinsentausch
  • torisch (bei Astigmatismus, auch in Kombination mit weiteren Störungen))
  • mit Strahlenfilter (UV, Blaulicht)
  • Add-On – vor Kunstlinse nach Kataraktoperation
  • phake IOL/ICL vor körpereigene Linse (starke Weit- oder Kurzsichtigkeit)

Asphärische IOL zeichnen sich im Gegensatz zu den herkömmlichen sphärisch-monofokalen Standardlinsen durch eine von der Kugelform abweichende Oberfläche aus. In den Randbereichen sind diese Premium-IOL flacher geschliffen, sodass hier die Lichtstrahlen nicht stärker als im Zentrum gebrochen werden. Das reduziert optische Abbildungsfehler. Besonders das Kontrastsehen in der Dämmerung/Dunkelheit, aber auch Sehschärfe und Farbsehen werden optimiert.

Torische IOL: Ein Torus (lateinisch „Wulst“) ist eine donut- oder rettungsringförmige Struktur. Torisch geschliffenen Premium-IOL zeichnen sich durch zwei senkrecht aufeinander stehende Brennpunkte aus. Damit lassen sich Sehschwächen, die durch eine abnorm gekrümmte Hornhaut (Astigmatismus, Stabsichtigkeit) bedingt sind, beheben. Durch individuellen Schliff können zusätzlich zum Astigmatismus bestehende Fehlsichtigkeiten wie Kurz- Weit- oder Alterssichtigkeit korrigiert werden: eine Linse – multiple Wirkung!

IOL mit Strahlenfilter:  Zum Schutz vor den gefährlichen UV-Anteilen der Sonnenstrahlung sind Premium-IOL standardmäßig mit einem UV-Filter ausgestattet. Aber auch aggressives blaues Licht kann die Netzhaut erheblich schädigen und besonders der Altersbedingten Makuladegeneration (AMD) Vorschub leisten bzw. das Fortschreiten einer bestehenden AMD beschleunigen. Moderne Premium-IOL lassen sich daher zusätzlich zum UV-Schutz mit einen Blaulichtfilter für hohen Makulaschutz versehen.

Add-On- und Phake IOL/ICL: Bei diesen Techniken wird die Premium-IOL als Zusatzlinse vor die eigentliche Augenlinse implantiert. Add-On-Linsen werden vor bereits im Rahmen einer Katarakt- oder CLE-Operation eingesetzte Kunstlinsen implantiert, um Restbrechungsfehler zu korrigieren. Dagegen werden phake IOL, z. B. als implantierbare Kontaktlinsen (ICL) vor die natürliche Augenlinse implantiert – etwa um starke Weit- oder Kurzsichtigkeit, die nicht per Laser korrigiert werden kann, zu behandeln.

Premium-IOL – Höchstmaß an individueller Patientenversorgung

Alle Premium-Linsentypen werden nach exakter Vermessung spezifisch für jedes einzelne Auge gefertigt. Das breit gefächerte Angebot multifokaler Premiumlinsen hat das Tor zur individualisierten Augenmedizin weit aufgestoßen. Umso wichtiger ist die gründliche Therapieplanung im persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt. „Keine Wirkungen ohne Nebenwirkungen“ lautet ein Grundprinzip, das auch für die besten Therapien Gültigkeit hat. Daher steht auch vor der Entscheidung für eine Premium-IOL die eingehende Beratung und Aufklärung durch Ihren Augenchirurgen über potenzielle Risiken, zu erwartende und mögliche Nebenwirkungen – gerne bei den Augenärzten am Platz der Luftbrücke.