Wir kennen die Szene aus dem Sonntagabend-Krimi. Verbunden mit der Frage, „haben Sie Drogen konsumiert?“, richtet der Polizist dem mutmaßlichen Delinquenten den Lichtstrahl einer Taschenlampe nacheinander in jedes Auge. `Pupillenreaktionstest´ heißt das im Kriminalistendeutsch. Die sogenannte Pupillenstarre, also die fehlende Reaktion der Pupillen auf Lichteinfall ist ein typisches, aber keinesfalls sicher auf Drogenkonsum hinweisendes Indiz. Vielmehr gibt eine Reihe unterschiedlicher Formen und Ursachen für den Verlust der Pupillenreaktion.

Pupillenstarre – Pupille regelt Lichteinfall

Die Pupille ist das äußerlich gut sichtbare „schwarze Loch“ im Zentrum des Auges. Umgeben ist sie von der Regenbogenhaut (Iris), deren unterschiedliche Pigmentierung die individuelle Augenfarbe ausmacht. Das Funktionsprinzip der Pupille ähnelt der Blende eines Fotoapparates. Durch Regulation der Pupillenweite wird in Abhängigkeit von den aktuellen Lichtverhältnissen die Menge der Lichtquanten (Photonen) angepasst, die zu den Lichtsinneszellen der Netzhaut durchgelassen wird. Gleißendes Sonnenlicht lässt die Pupillen reflektorisch auf einen Durchmesser von ca. 1 Millimeter schrumpfen (Miosis). Beginnt es zu dämmern, werden sie stufenlos weiter gestellt, um in finsterer Nacht bis auf etwa 8 Millimeter zu wachsen (Mydriasis). Als natürlicher Alterungsprozess nimmt die Pupillenweite im Laufe des Lebens etwas ab und erreicht dann im Dunkeln kaum mehr als 5 Millimeter Maximaldurchmesser.

Pupillenstarre - Erklärung, Ursache, Formen und Therapieoptionen

Die Regulierung der Lochweite erfolgt durch Pupillenmuskeln, deren Aktivität über Bahnen des nicht unserem Willen unterworfenen autonomen (vegetativen) Nervensystems gesteuert wird.

Pupillenstarre – hell und dunkel, nah und fern

Normalerweise reguliert das Lochblendensystem zuverlässig die in das Auge einfallende Lichtmenge und optimiert damit die Abbildungsqualität auf der Netzhaut. Im Hellen wird der Lichteinfall gedimmt, nachts wird quasi jedem Photon die Passage gewährt. Aber nicht nur auf Licht, sondern auf Veränderungen der Sehdistanz reagieren die Pupillen. So werden sie beim Betrachten naher Gegenstände enger gestellt, um die Tiefenschärfe zu erhöhen. Diese Funktion wird Konvergenz genannt. Sind beide Augen gesund, ist ihre Pupillenweite und deren Veränderung annähernd gleich („isokor“).

Pupillenstarre – emotionale Reaktionen

An- und aufregende Emotionen wie Angst und Schrecken, aber auch Freude oder Stress spiegeln sich in weitgestellten Pupillen – Zeichen erhöhter Wachsamkeit und Reizaufnahmebereitschaft – wider. Bei Entspannung und eintretender Müdigkeit schrumpfen die Pupillendurchmesser. Dies alles sind natürliche Reaktionen und auch kleine Unterschiede in den Pupillenweiten beider Augen sind nicht gleich Zeichen gestörter Pupillenfunktion.

Pupillenstarre – „Abblendprobleme“

Bei einem Ausfall der Pupillenmotorik wird die Pupillenweite quasi „eingefroren“. Eine solche Pupillenstarre verändert das Blendungsempfinden und minimiert maßgeblich die Sehschärfe. Wie sich das anfühlt, weiß jeder, dem vor einer Augenuntersuchung schon einmal Pupillen weitstellende Augentropfen verabreicht wurden. Da es eine Vielzahl möglicher Auslöser für eine Pupillenstarre gibt, ist eine sorgsame augenärztliche Diagnostik angezeigt. Verschiedene Augenerkrankungen, Infektionen, neurologische Störungen, Medikamentennebenwirkungen, Drogenkonsum und Vergiftungen können die Weite der Pupillen verändern und sie erstarren lassen.

Pupillenstarre – Formenspektrum

Nach Ursache und Symptomatik unterscheidet die Augenmedizin drei Formen der Pupillenstarre:

Absolute Pupillenstarre

Die Pupillenmotorik des betroffenen Auges ist komplett aufgehoben. Die Pupille ist weitgestellt (Mydriase) und reagiert weder auf direkte Belichtung noch auf Beleuchtung des gesunden Partnerauges (indirekte Pupillenreaktion). Auch die Naheinstellungsfähigkeit (sog. Konvergenz) der Pupille beim Fixieren von Objekten in kurzer Entfernung ist verloren.

Ursachen der absoluten Pupillenstarre können Blutungen/Hämatome, Entzündungen, Frakturen, Gefäßerweiterungen (Aneurysmen) oder auch Tumore im Bereich von Augenhöhle oder Schädelbasis sein. Die damit verbundenen Schädigungen von Nervenfasern unterbrechen die Reizleitung zwischen Gehirn und den Augenmuskeln, die für die Pupillenverstellung zuständig sind.

Reflektorische Pupillenstarre

Wird bei einem Gesunden nur eines seiner beiden Augen beleuchtet, verengt sich nicht nur dessen Pupille (direkte Lichtreaktion). Auch die Pupille des nicht belichteten Auges reagiert (indirekte Lichtreaktion). Im Falle einer meist beide Augen betreffenden reflektorischen Pupillenstarre kommen direkte und indirekte Pupillenreaktion zum Erliegen. Die Pupillen sind in der Regel unabhängig von den Lichtverhältnissen enggestellt (Miosis) – auch bei völliger Dunkelheit. Zudem sind sie oft „unrund“ verformt. Im Gegensatz zur absoluten Pupillenstarre bleibt die Konvergenz, also die Pupillenengstellung beider Augen bei Fixierung eines nahen Gegenstandes, erhalten. Insgesamt tritt eine reflektorische Pupillenstarre relativ selten auf. In einem Großteil dieser Fälle handelt es sich um die Spätfolgen einer nicht ausgeheilten, mitunter Jahre zurückliegenden Geschlechtskrankheit (Syphilis, Lues). Daneben können auch Infektionen Erkrankung (z. B. nach Zeckenbissen), Blutungen, Tumore, aber auch extensiver Alkoholkonsum Auslöser sein. Physiologisch handelt es sich um eine Störung der Reizleitung in jenen Nervenbahnen, die für die Verarbeitung von Lichtreizen verantwortlich sind.

Amaurotische Pupillenstarre

Dieser Form einer Pupillenstarre liegt eine Erblindung (gr. amauros = blind) des betroffenen Auges zugrunde. Dabei ist dessen direkte Lichtreaktion ausgefallen, die indirekte Lichtreaktion bei Beleuchtung des gesunden Partnerauges bleibt jedoch erhalten. Umgekehrt funktioniert beim gesunden Auge nur noch die direkte Lichtreaktion, nicht aber die indirekte (bei Beleuchtung des blinden Auges. Das liegt an dem einseitigen nervalen Totalausfall. Ursächlich können teils entzündliche Sehnervschädigungen, Blutgefäßverschlüsse oder eine Netzhautablösung sein.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es eine Reihe weiterer, mit gestörten Pupillenreaktionen assoziierter Augenerkrankungen gibt wie die Pupillotonie oder das Horner-Syndrom, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll. Sollte bei Ihnen Verdacht auf eine solche Erkrankung bestehen, vertrauen Sie auf die Diagnostik und Aufklärung durch die Augenärzte am Platz der Luftbrücke.

Pupillenstarre – therapeutische Optionen

Aufgrund der Vielzahl von Formen und Symptomkombinationen, kann die augenärztliche Diagnostik einer Pupillenstarre auch den Einsatz bildgebenden tomografischer Verfahren erfordern. Therapeutisch stehen medikamentöse Verordnungen (Augentropfen) im Vordergrund. Ist ein Auge, dem etwa im Rahmen einer Kataraktoperation bereits eine künstliche Intraokularlinse (IOL) implantiert wurde, von einer chronischen Pupillenstarre betroffen, gibt es auch eine chirurgische Behandlungsmöglichkeit. Diese beseitigt zwar nicht die Pupillenstarre, ermöglicht aber durch Einsetzen eines Diaphragmas die Fixierung der Pupillenweite auf einen kommoden Wert, der das starke Blendungsempfinden reduziert und die Sehschärfe verbessert.

Näheres zu diesen Therapieoptionen lesen Sie bitte im Blogbeitrag von Dr. Febrer Bowen nach.

Pupillenstarre – Diagnostik und Behandlung bei „augen-arzt-berlin“

Sich vorab zu informieren, auf seriösen Seiten nachzulesen, ist durchaus vernünftig, kann aber im Interesse der eigenen Gesundheit nie einen notwendigen Augenarztbesuch ersetzen (das gilt auch für die Lektüre der Blogbeiträge von augen-arzt-berlin). Wenn sie unter starren Pupillen oder einer anderen Sehkraftbeeinträchtigung leiden, machen Sie rechtzeitig einen Termin bei den Augenärzten am Platz der Luftbrücke– gerne online unter diesem Link.