Raucherkrebs-Gene nachgewiesen – auch das Auge ist betroffen

Dass Rauchen der Gesundheit auf vielen Ebenen schadet, ist längt bekannt. Nun haben Forscher des National Laboratory in Los Alamos (New Mexico, USA) und des Wellcome Trust Sanger Institute (Hinxton, England) erstmalig fünf konkrete krebsauslösende Genveränderungen (so genannte „Raucherkrebs-Gene“) identifiziert, die eindeutig auf das Rauchen zurückzuführen sind. Die Ergebnisse der Studie wurden in The Journal Science veröffentlicht.

Besonders erschreckend dabei: Umfang und Häufigkeit dieser Schäden.

 

Auge bleibt von Raucherkrebs-Genen keineswegs verschont

Noch immer verhallen bei fast 30 Prozent der Deutschen die Warnungen vor dem Rauchen wie Kassandras Rufe vor Troja. Immer mehr kausale Zusammenhänge wurden in den letzten Jahren aufgedeckt. Das betrifft keineswegs „nur“ Herz, Lunge, Magen, Bauchspeicheldrüse und Darm. Auch entzündliches Gelenkrheuma und Arthrose werden durch Rauchen nicht nur gefördert, sondern sogar ausgelöst. Kein Organ, das nicht Schaden von den über 7.000 Chemikalien, darunter über 70 mit cancerogener Wirkung, nimmt. Einbußen der Sehkraft durch Schädigung der Linse (Katarakt), der Netzhaut (Makuladegeneration) und Verstopfung der Augengefäße (Arteriosklerose) stehen ganz oben auf der Liste der Tabak-getriggerten Krankheiten.

150(!) Raucherkrebs-Gen-Mutationen in jeder Zelle

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Rauchen verursacht 150 Mutationen in der Lunge (Quelle: Sanger Institute, Genome Res. Limited)

Oben genannte Wissenschaftler entdeckten nun spezielle Veränderungen im Erbgut (DNA), die einzig in Krebstumoren von Rauchern auftreten – ein Meilenstein in der Aufdeckung von spezifisch vom Rauchen ausgehenden Krebsentwicklungen. Letzte Kritiker, die sich von unzähligen epidemiologischen Studien nicht überzeugen ließen, haben nun den geforderten Beweis: Rauchen verursacht spezifische Mutationen im Erbmaterial, die Zellen entarten lassen.
Erschreckend ist das Ausmaß der durch Tabakinhaltsstoffe generierten DNA-Schäden. Schon Wenig- und Gelegenheitsraucher nehmen erheblichen Schaden. Aber das Ausmaß steigt mit der Zahl der gerauchten Zigaretten und hängt vom Organ ab.

Die Lunge nimmt beim täglichen Rauchen einer Schachtel mit jährlich exorbitanten 150 cancerogenen Mutationen pro Zelle den unrühmlichen Spitzenplatz ein.

Fast alle Organe von Raucherkrebs betroffen

Massive Veränderung betreffen nicht nur Organe, die direkt mit der Tabakrauchinhalation konfrontiert sind (Mund, Rachen), sondern auch solche (Leber, Blase, Magen), die „nur“ indirekt über den Blutkreislauf von den toxischen Inhaltsstoffen erreicht werden. So wurden bei „Packungs-Rauchern“ (eine Schachtel täglich) durchschnittlich pro Zelle folge Mutationszahlen quantifiziert.
Kehlkopf: 97 – Rachenhöhle: 39 – Mund: 23 – Harnblase: 18 – Leber: 6
Bedenkt man, dass im ungünstigsten Fall, bereits eine einzige irreparable Mutation zur Zellentartung führen kann, sind diese Zahlen schockierend und zeigen, warum Rauchen auf Platz 1 der vermeidbaren Krebsrisiken steht.
Insgesamt 17 Krebsarten werden durch Rauchen getriggert. Bei diesen fanden die Forscher ausschließlich bei Rauchern vorhandene Mutationsmuster. Wie molekulare Fingerabdrücke identifizieren diese durch Rauchen ausgelöste Tumore. Fünf dieser Mutationsmuster traten besonders häufig auf.

Gestörte Genregulation potenziert Risiken

Epigenetiker – Forscher, die sich mit der Regulation von Genen befassen – haben nachgewiesen, dass Rauchen sogenannte Tumorsuppressorgene („Krebsschutzgene“) und damit die Reparatur von Erbgutschäden blockiert. Besonders tragisch daran: Diese gestörten Genregulationsmuster („Epigenome“) werden an den Nachwuchs weitergegeben und belasten so Raucherkinder von Geburt an mit erhöhten Krebsrisiken.

6.000.000 Rauch-Tote!

Weltweit über sechs Millionen Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen des Rauchens. In Deutschland (28 % Raucher über 18 Jahre) sind es rund 120.000 Menschen. Bei den 12- bis 17-Jährigen ist mit einem Rückgang von 27,5 Prozent (2001) auf heute 7,8 Prozent ein erfreulicher Rückgang zu beobachten. Sorge bereiten hier vor allem die weiblichen Jugendlichen im (Irr)Glauben an Coolness, Erwachsensein und „Schlankhaltewirkung“.
Rauchende Frauen setzen sich noch höheren Risiken aus als rauchende Männer. Der weibliche Organismus reagiert sensibler auf Gifte. Frauen werden schneller anhängig und erkranken schon bei niedrigerer Rauchdosis an Krebs als Männer. Aktuell steigen die Lungenkrebsfälle bei Frauen an, während sie bei Männern zurückgehen. Das korreliert mit der Entwicklung der Rauchgewohnheiten. Laut DKFZ sind die meisten Raucherinnen wenig gebildet, alleinstehend und alleinerziehend. Für deren Kinder (meist Passivraucher) ein Drama!

Rauchstopp lohnt immer

Das Risiko für die meisten Krebsarten sinkt nach einigen Jahren kompletten Rauchverzichts – nach 10 Jahren laut DKFZ für Lungenkrebs etwa auf die Hälfte.

 

By |16.11.2016|Categories: Allgemein|
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