Der Sommer 2019 hat sich bereits von seiner sonnigsten Seite gezeigt und die Klimaexperten rechnen zukünftig mit zunehmenden Zahlen heißer und strahlungsintensiver Sommertage. Besonders für Haut und Augen steigt das Gefährdungspotenzial. Für die Haut bedeutet das, besonders sorgsam auf textilen und chemisch-physikalischen Sonnenschutz zu achten. Die Augen gilt es unabdingbar mit einer Sonnenbrille zu schützen, die bestimmte Leistungsmerkmale erfüllt.

Augenschutz – beängstigende Entwicklungen

In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der jährlich neu an Hautkrebs erkrankten Patienten verdoppelt – in einigen Bundesländern sogar mehr als verdreifacht! Experten vermuten, dass durch die steigende Zahl warmer Sommertage bei vielen Menschen die Dauer der Freiluftaufenthalte zunimmt, dem aber nicht mit adäquater Intensivierung des Sonnenschutzes Rechnung getragen wird. Aber immerhin sind sich heute die meisten Menschen der Gefahren ultravioletter Strahlung (UV) für die Haut bewusst. Nach Erhebungen der „Transition European Study, UK“ assoziieren 95 Prozent der Bevölkerung die solare UV-Strahlung mit Gefahr für die Haut und 85 Prozent wissen um das Risiko für den Schwarzen Hautkrebs (Melanom).

Viel beängstigender scheint das Wissen um die Gefährdung der Augen zu sein. Gerade einmal sieben Prozent (!) der Befragten brachten steigende Strahlenexposition mit steigenden Risiken für gravierende Augenschäden in Verbindung. Dabei nehmen die Augen auf gleicher Ebene mit der Haut die Spitzenposition in Bezug auf Sonnenstrahlen-induzierte Krankheiten ein.

Augenschutz – weites Schadensspektrum

Gleißendes Sonnenlicht blendet, macht uns aber kaum bewusst, was die enthaltenen UV-Anteile bei längerer Einwirkung an unzureichend geschützten Augen anrichten können. Das beginnt mit Binde- und Hornhautentzündungen, geht über Sonnenbrand und Hautkrebs an den Augenlidern bis hin zu schweren Netzhautschäden (Makuladegeneration) und Augenkrebs (besonders Uvealmelanom/Aderhauttumor).  Den einzig wirksamen Schutz bietet eine Sonnenbrille, die bestimmte Qualitätsmerkmale erfüllen muss.

Augenschutz und Sonnenbrille

Augenschutz – trügerische Sicherheit

Besonders tückisch an der Situation: Fehlendes Blendungsempfinden ist kein Garant für niedrige UV-Belastung. Wolken lassen die gefährlichen UV-A und UV-B-Anteile der Sonnenstrahlung bis zu 90 Prozent passieren und durch Reflexion (besonders in Wassernähe) bieten auch schattige Orte keinen hinreichenden UV-Schutz. Aber das vielleicht größte Missverständnis betrifft die Sonnenbrillen selbst. Die Vermutung, „dunkel = sicher“ trifft nicht zu. Der Tönungsgrad einer Brille sagt nichts über ihre UV-Filterleistung aus!

Augenschutz – Tönung kein UV-Schutzindex

Sonnenbrillengläser gibt es in verschiedenen Farb- und Tönungsstufen. Das alles ist für das Blendempfinden relevant, hat aber keine Bedeutung für den UV-Schutz! Es gibt sehr dunkle Gläser, die selbst bei gleißendem Sonnenlicht jegliche Blendung nehmen, aber über keine UV-Filter verfügen – im wahrsten Sinnen des Wortes „brandgefährlich“! Die Tönungsstufen werden mit fünf, meist auf dem Brillenbügel angegebenen Helligkeitsfilter-Kategorien (Cat 0 bis Cat 4) wiedergegeben. Die Kategorien 0 und 1 bezeichnen helle bzw. sehr leicht getönte Gläser ohne bzw. mit sehr geringer Filterwirkung, eher als Schutzbrillen etwa beim Radfahren an bedeckten Tagen geeignet. Gläser der Kategorien 2 und 3 filtern etwa 60 bis 80 Prozent der Helligkeit heraus.  In der mitteleuropäischen Sommersonne finden diese Tönungsstufen die meisten Anhänger. Kategorie 4 steht für eine über 90-prozentige Helligkeitsabsorption. Entsprechende Brillen sind bei starker Sonneneinstrahlung und Lichtreflexion, z. B. im Schnee und am/auf dem Meer, aber auch in großen Höhen die richtige Option. Im Gebirge steigt sich die UV-Belastung pro 1000 Höhenmeter um etwa 20 Prozent.

Augenschutz – Warnung vor dunklen Gläsern ohne UV-Filter

Nochmal zum Einprägen: Die Tönungskategorie bezieht sich ausschließlich auf den Helligkeitsfilter, aber nicht auf die UV-Filterleistung. Auch eine sehr dunkle Kategorie 4-Sonnennbrille, die über keinen extra UV-Filter verfügt, lässt die UV-Strahlen nahezu ungebremst hindurch. Und diese Situation ist besonders gefährlich, da sich die Pupillen hinter dunklen Gläsern weitstellen und den UV-Strahlen den Weg zur Netzhaut öffnen. Lassen Sie sich also nicht von sehr dunklen Brillengläsern täuschen. Sie können, müssen aber keinen UV-Schutz liefern. Daher ist es wichtig, auf weitere Kennzeichnung zu achten und sich gründlich über die UV-Filtereigenschaften zu informieren.

Augenschutz –  Selbsttönung, Komfort mit Einschränkung

Für jene, die viel im Freien unter wechselnden Lichtbedingungen aktiv sind, lohnt vielleicht ein etwas tieferer Griff in die Tasche, um sich für eine Sonnenbrille mit selbsttönenden Gläsern zu entscheiden. Diese Funktion, Phototropie („Lichtwendung“) genannt, beruht auf einer chemischen Reaktion winziger photoaktive Moleküle, die in die Brillengläser eingearbeitet sind und sehr schnell auf wechselnde Lichtverhältnisse mit Verdunklung oder Aufhellung reagieren. Da die photoaktiven Moleküle speziell auf Veränderung der UV-Intensitäten reagieren, sind selbsttönende Brillen praktisch immer auch mit UV-Filtern ausgestattet.

Eine Einschränkung gibt es allerdings. Da Autoscheiben einen Großteil der UV-Strahlung absorbieren, gelangt nicht genug UV ins Wageninnere um die Selbsttönungsreaktion auszulösen. Daher empfiehlt sich beim Autofahren das Tragen einer „normalen“ Sonnenbrille.

Augenschutz – UV 400- und CE-Label

Das bis zur Erdoberfläche vordringenden solare UV-Licht umfasst einen Wellenlängenbereich von etwa 280 bis 400 Nanometer (A: 400-315 nm, B: 315-280 nm). Für einen wirksamen Schutz muss eine Sonnenbrille daher die Wellenlängen bis 400 Nanometer herausfiltern. Beim Kauf gilt es somit unbedingt auf eine „UV-400-Kennzeichnung“ zu achten. Aber das reicht nicht aus! Es empfiehlt sich, nur Brillen zu erwerben, die zudem ein CE-Siegel tragen. Damit verpflichtet sich der Hersteller, dass sein Produkt den EU-Richtlinien zum UV-Schutz entspricht. Auch das ist freilich keine 100%-Garantie, insbesondere, wenn man die Sonnenbrille zusammen mit der „echten Rolex“ beim fliegenden Händler am Strand erwirbt. Wer sicher gehen will, kann die UV-Filterleistung seiner Brille beim Optiker testen lassen.

Augenschutz – Passform und Abschirmung

Gerade wer berufs- oder freizeitbedingt viel Zeit im Freien verbringt sollte auf gute Passform, auf den richtigen Abstand zwischen Auge und Brillenglas und unbedingt auf auseichende seitliche Abschirmung achten. Insbesondere bei stark reflektierenden Bedingungen, etwa beim Skifahren oder Wassersport, können seitlich einfallende UV-Strahlen erheblichen Schaden anrichten, der sich erst später bemerkbar macht.

Augenschutz – Blaulicht in der Diskussion

In den letzten Jahren ist die potenziell augenschädigende Wirkung der blauen Sonnenlichtanteile in den Focus gerückt. Die bislang verfügbaren Studien haben noch keine belastbaren Erkenntnisse geliefert. Daher gibt es auf EU-Ebene bislang keine Richtlinien für Blaulichtfilter in Sonnenbrillen. Auf handelsüblichen Sonnenbrillen stehen in aller Regel keine Angaben zum Blaulichtschutz. Es gibt Optiker, die Blauschutz-Messungen anbieten. Wer besonders empfindliche Augen oder eine Augenerkrankung hat und wer bereits eine Kunstlinse trägt, sollte sich von seinem Augenarzt über adäquaten Augenschutz beraten lassen.

Augenschutz – Sonnenbrille nach Kataraktoperation

Für die natürliche Augenlinse ist übermäßige UV-Belastung ein Trigger für die Entwicklung einer Linsentrübung (Grauer Star, Katarakt). Aber auch nach dem Erhalt einer weitgehend trübungsresistenten Kunstlinse (Kataraktoperation) verliert die Sonnenbrille als wichtiges UV-Schutzmodul nichts von ihrer Relevanz. Als Patient der Augenärzte am Platz der Luftbrücke erhalten Sie von Dr. med. Febrer Bowen, Dott.ssa Gurabardhi, Dr. med. Lotfipour die kompetenten Informationen, worauf Sie beim prä- und postoperativen Schutz Ihren Augen besonders achten sollten.

Augenschutz – modisch geschützt

Nach Krankenkassenerhebungen schützen nur etwa 30 Prozent der Bundesbürger ihre Augen hinreichend vor sommerlicher UV-Strahlung. Ein Teil sieht in der Sonnenbrille mehr Modeaccessoire als Augenschutz und lässt sich bei der Kaufentscheidung mehr vom optischen Design als von Leistungsmerkmalen der Gläser leiten. Aus augengesundheitlicher Sicht sollte der Schutzwirkung stets die oberste Priorität eingeräumt werden. Mit ein bisschen „Good will“ sollte es kein Problem sein, ein modisch ansprechendes Modell zu finden, das auch den Anforderungen an UV-Schutz und Helligkeitsabsorption gerecht wird: „In dubio pro securo!“ (Im Zweifel auf Nummer sicher gehen).