Auf der Liste der Traumberufe steht Pilot dauerhaft auf einem der vordersten Plätze. Aber auch private Fluglizenzen für die grenzenlose Freiheit über den Wolken sind begehrter denn je. Entsprechend der hohen Verantwortlichkeit sind die Zulassungsvoraussetzungen für eine Ausbildung zu einem Klasse-1-Piloten (Berufsflieger), aber auch für Klasse-2-Piloten (Privatflieger) streng. Die refraktive Augenchirurgie und Lasertherapien macht einiges möglich, was lange ein „No-Go“ war.

Luftfahrtbundesamt informiert über Voraussetzungen zum Piloten-Schein

Für alle Fragen zum Erwerb von Fluglizenzen der Tauglichkeitsklassen 1 und 2 ist das Luftfahrtbundesamt zuständig. Alle Bewerben müssen sich einer medizinischen Tauglichkeitsuntersuchung unterziehen, die anhand spezieller amtlich festgelegter Tauglichkeitsrichtlinien auch für die Sehfähigkeit zu erfolgen hat. Die Erstuntersuchung für ein Tauglichkeitszeugnis der Klasse 1 (Berufspilot) darf ausschließlich durch einen amtlich anerkannten „Flugmedizinischen Sachverständigen“ entweder an einem vom acht deutschen flugmedizinischen Zentren (AMC = Aero-Medical-Center) oder in einer befugten Fliegerärztlichen Untersuchungsstelle erfolgen.

Für Piloten sind Brille und Kontaktlinsen keine Ausschlusskriterien

Einschränkungen des Sehvermögens durch Weitsichtigkeit, Kurzsichtigkeit, Stabsichtigkeit oder Alterssichtigkeit dürfen unter bestimmten Voraussetzungen ohne besondere Prüfung durch Sehhilfen ausgeglichen werden. Beruhen hingegen Sehschärfeverluste z. B. auf Augen-Schielstellung, Linsentrübung (Katarakt), Netzhautdegeneration oder neurologische Erkrankungen sind in jedem Fall flugmedizinische Einzelfallprüfungen erforderlich.

Für die Sehhilfen gibt es bestimmte Zulassungsvoraussetzungen. Je nach Art und Kombination der Sehschwäche(n) dürfen Korrekturen durch Brille, Halbbrille oder Kontaktlinsen, bei bestimmten Konstellationen auch nur durch Brille erfolgen. Kombinationen unterschiedlicher Sehhilfen sind grundsätzlich ausgeschlossen. Kontaktlinsen müssen monofokal sein. Die genauen Vorschriften sind auf der Website des Luftfahrtbundesamtes unter „Flugmedizin“ einzusehen.

Pilot- Flugtauglichkeit nach Augenchirurgischen Eingriffen

Die Voraussetzungen für die Flugtauglichkeit nach chirurgischen Eingriffen am Auge sind europaweit in den 2013 reformierten EU-Vorschriften „AMC MED“ (Acceptable Means of Compliance Part Medical) geregelt. Im Internet sind sie bei der Europäischen Flusicherheitsbehörde EASA (European Aviation Safety Agency) einzusehen.

Für Pilotenanwärter der Klasse 1 (Berufsflieger) gelten u. a. folgende Voraussetzungen für die „Tauglichkeit nach Augenoperationen und bei Augenerkrankungen“:

Refraktive (Brechkraft-verändernde) Chirurgie:

  • Bei Kurz- und Weitsichtigkeit gelten folgende präoperative Limits: + 5.0 Dioptrien und -6.0 Dpt.
  • postoperativ: stabile Refraktionsverhältnisse
  • keine postoperativen Komplikationen
  • normale Blend-Empfindlichkeit
  • keine Beeinträchtigung der mesopischen („Dämmerlicht“) Kontrastsensitivität
  • Wartezeit bis das Auge stabil ist (weniger als 0,75 Dpt. Schwankung am Tag).

Katarakt-OP („Grauer Star“):

  • Macht zunächst untauglich.
  • Nach Wartezeit von mindestens zwei Monaten kann Tauglichkeit bescheinigt werden, sofern Sehstärke erreicht wird, wie sie für Brillenträger und Monofokallinsenträger vorgeschrieben ist.

Netzhaut-OP:

  • Nach erfolgreichem Verlauf kann Tauglichkeit nach 6-monatiger Wartezeit augenärztlich bescheinigt werden.
  • Jährliche Folgeuntersuchungen können erforderlich sein.
  • Bei Stabilität können Intervalle – augenärztlich abgesichert – verlängert werden.

Netzhaut-Lasertherapie:

  • Bei erfolgreichem Verlauf kann Tauglichkeit erreicht werden, sobald die augenärztliche Beurteilung stabile Verhältnisse bestätigt.

Glaukom-OP („Grüner Star“):

  • Nach 6-monatiger komplikationsloser postoperativer Wartezeit kann Tauglichkeit bescheinigt werden. Folgeuntersuchungen im 6-Monatstakt zur Detektion möglicher Sekundärkomplikationen können erforderlich sein.

Augen-Muskel-OP:

  • Tauglichkeit kann postoperativ nach mindestens 6-monatiger Wartezeit und positiver augenärztlicher Beurteilung erteilt werden.

Farbsehen u. a.:

Für weitere relevante Parameter, insbesondere das Farbensehen, gelten entsprechend strenge Vorgaben, die in den oben genannten EASA/EU-Richtlinien eingesehen werden können.

Fazit: Für Piloten gibt es Chancengleichheit trotz Augen-OP

Die neuen, zuletzt 2013 reformierten EU-Richtlinien für die Erteilung von Flugtauglichkeitslizenzen, tragen der rasanten ophthalmologischen Methodenentwicklung Rechnung. Luftfahrtbegeisterten mit angeborene oder erworbenen Sehschwächen, die durch Sehhilfen, Augen-OP oder Lasertherapie stabil korrigiert werden können, steht heute der Weg zu ihrem Traumberuf prinzipiell offen.